Paris – ohne Hilton

Ich bin nicht der Nostalgietyp, mag auch keine romantischen Filme, die in Paris spielen, schon gar nicht Amélie Poulain. Mein Studienjahr  mit Anfang 20 in Lyon hat mich nicht nur 6 kg schwerer (Lyon ist nun mal die Gastrostadt schlechthin: Andouillettes, Brioches und Flans bis zum Umfallen), sondern nahezu frankophob gemacht. Aber Paris hat mich doch noch überzeugt. Engagiert als Catsitter für eine divenhafte Perserkatze bin ich vor etwa zwei Jahren das erste Mal in die Hauptstadt aufgebrochen. Es sollte nicht das letzte Mal gewesen sein. Paris ist einfach imposant. Die Stadt ist hektisch und strahlt dennoch etwas Entspanntes aus und das Essen ist fantastisch. Die üblichen Sightseeing-Tipps kann man fast überall nachlesen. Ich möchte hier  einfach einige meiner Lieblingsgeschäfte vorstellen, zum Großteil kulinarischer Natur. Beginnen werde ich aber mit etwas, das mein Herz höher schlagen lässt, auch wenn ich damit riskiere, mit Norman Bates in eine Reihe gestellt zu werden: Taxidermie!

Claude Nature
Ein Besuch bei Claude Nature ist ein Abenteuer. Über dem Tresen hängt ein riesiger ausgestopfter Nashornkopf. Darunter Claude, der aussieht wie Bill Murray in Die Tiefseetaucher und mit seinem weißen Bart einen Touch von Daktari gepaart mit Naturdokus der 70er verströmt. Die Franzosen haben wie die Briten einen scheinbar sehr ungezwungenen Zugang zur Taxidermie, was sicherlich aus ihrer kolonialen Vergangenheit resultiert. So wundert es nicht, dass eine Britin bei Claude einfällt und ein paar „Beetles“ für ihren 6-jährigen Sohn bestellt. Die angepinnten, gerahmten Insekten, besonders die Stabheuschrecken, Spinnen, Käfer und Schmetterlinge, sind faszinierend. Aber auch die Muscheln und Korallen sind wunderschön. Claude wurde bei Deyrolle ausgebildet, und dorthin schickt er uns auch.


Claude Nature

32 du Boulevard Saint-Germain à Paris

Deyrolle
Bei meiner Recherche habe ich festgestellt, dass die Tiefseetaucher kein schlechter Vergleich sind, auch Wes Anderson ist ein Deyrolle-Fan. Das Geschäft mutet wie eine Mischung aus Museum und Raritätenkabinett an. Schon die Auslage hält eine skurrile Inszenierung mit Käse fressenden ausgestopften Mäusen bereit. Betritt man die obere Etage, blicken einem Tiger, Elefanten und Zebras entgegen. Alles in einem Raum, der dem Naturhistorischen Museum in Wien an Prunk um nichts nachsteht. Hier kann man auch tolle alte Biologieunterrichtsplakate mit anatomischen Modellen, Pflanzen u. v. a. erstehen.
Das Untergeschoss beherbergt auch eine kleine Gartenabteilung, ganz ohne Taxidermie. Für meine  GartenfreundInnen zu Hause habe ich auch Tomatensamen von der französischen Version der Arche Noah  mit den vielversprechenden Namen Banana Legs und Black Sea Men
mitgebracht.
Die Taxidermie hat uns seit dem Deyrolle-Besuch nicht mehr losgelassen. Karin hat für unsere Taxidermie-Lieblingsseite
Ravishing Beasts einen Artikel über ausgestopfte Tiere in Nordkorea geschrieben und Karo ist fasziniert von der Kooperation Deyrolles mit dem Trendlabel Opening Ceremony.

Deyrolle
46, Rue du Bac

Les Puces de St-Ouen
Ich bin ein großer Fan von Möbeln aus den 50ern und 60ern. Wenn es nach mir ginge, sollte eine Küche wie in Pillow Talk aussehen – also ein amerikanischer Hausfrauentraum in Pastell – und ein Wohnzimmer wie in Mad Men: alles in Teak,  Lampen
von Arne Jacobsen, Stühle und Sofas von Finn Juhl. Ich habe lange Zeit Altwaren in Wien gejagt und muss sagen, so etwas wie die Möbel auf diesem Pariser Flohmarkt eigentlich kein Flohmarkt, sondern ein Areal mit Geschäften ist hierzulande nur schwer zu finden. Anscheinend hat weder die Wiener Bourgeoisie noch die Wiener Mittelschicht je besonders Wert auf modernes Design gelegt. Neben den Möbeln gibt es auch unzählige andere Dinge, die man so in Wien nicht findet: riesige Rundgläser mit Arrangements aus ausgestopften Vögeln darin, Vintage von Chanel bis Hèrmes, einen tollen Laden mit schrillen Broschen u. v. m.

Rues des Rosiers, Jules-Vallès, Biron, Paul-Bert
M Porte-de-Saint-Ouen o Porte-de-Clignancourt
Sa, So und Mo 9:00-18:00

www.parispuces.com

Reiseführer
In Sachen Architektur verlasse ich mich meistens auf die City Guides von Wallpaper. Paris Deco (engl. & fr.) ist ein toller Guide für Altwarenfreaks, der mich zu Claude Nature und auch auf die Puces de Saint-Ouen geführt hat.

4 Gedanken zu „Paris – ohne Hilton

  1. Karo

    naja ich hab damals in frankreich auch zugenommen. normal. aber mein beitrag zu paris kommt noch.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Connect with Facebook

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>