Tildas Untergang – Ucha, eine russische Edelfischsuppe

Ucha - russische Edelfischsuppe Ucha - russische Edelfischsuppe

Zurzeit läuft der Film I Am Love mit Tilda Swinton im Kino. Swinton spielt darin eine Russin, die in jungen Jahren einen älteren italienischen Großindustriellen geheiratet hat und seitdem in Mailand die perfekte Ehefrau und Mutter mimt. Dafür gibt sie bei großen Familienessen nicht nur die vollendete Gastgeberin, sondern sie verzichtet auch auf ihre Wurzeln. Ihr schwer auszusprechender russischer Vorname wurde durch das einfachere Emma ersetzt und die russischen Gerichte, die sie gerne kochte, sind für ihre inzwischen erwachsenen Kinder zu Erinnerungen verkommen. Swinton wollte mit diesem Film pure Leidenschaft inszenieren. Das Gericht des Kochs, mit dem Emma eine Affäre eingehen wird, ist das reinste Vorspiel. Später wird eine weitere Kreation des Kochs, eine russische Edelfischsuppe namens Ucha, schuld daran sein, dass der Sohn die Affäre aufdeckt und Emmas scheinbare Familienidylle mit dramatischen Ausgang auseinanderbricht.

Der Film ist durchwegs schön fotografiert und die Ausstattung ist makellos. Swinton trägt Kleider von Jil Sander/Raf Simons und die 20er-Jahre-Villa der Familie mit zahlreichen Dienstboten beherbergt Unmengen an Design- und Kunstschätzen. Die vielfach geäußerte Kritik an der Story kann ich sehr gut nachvollziehen, doch der Twist mit der Edelfischsuppe ließ mich nicht mehr los. Ich musste diese Suppe haben. Mein Russland-Kochbuch nennt sie „die Mutter aller Suppen“, die bereits im 12. Jahrhundert Erwähnung in der Literatur findet. In der Zubereitung ist sie etwas umständlich, aber der Aufwand lohnt sich.

Welskopf

Rezept

500 g Fischfilets (2–3 verschiedene Sorten)
1–1,5 kg Fischkopf oder -schwänze für die Brühe
2 Zwiebeln
2 Lorbeerblätter
6 Pfefferkörner
3 Stängel Petersilie
1–2 TL Salz
frisch gemahlener Pfeffer
2 Eiweiß
2–3 mehlige Kartoffeln
1–2 Karotten
1 Stange Lauch
1 Zitrone
1 EL Dill

Zuerst den Fischkopf bzw. die -schwänze mit zwei Liter Wasser in einen großen Topf geben. Zwiebel, Lorbeerblatt, Pfefferkörner und Petersilie hinzufügen und alles aufkochen lassen. Anschließend eine halbe Stunde köcheln lassen, sodass eine gute Fischbrühe entsteht. Durch ein Sieb in einen anderen Topf gießen und dabei alles kräftig ausdrücken, damit nichts vom Geschmack verloren geht. Wer die Suppe ganz sauber und klar haben möchte, greift zum Eiweißtrick: Dazu zwei Eiweiß in einer Schüssel schaumig schlagen und anschließend unter ständigem Rühren in die Suppe gießen. Dabei den Herd auf die höchste Stufe drehen und die Suppe so lange mit dem Schneebesen umrühren, bis sie überzukochen droht. Fünf Minuten ruhen lassen und anschließend durch ein mit Mull ausgelegtes Sieb gießen. Die klein geschnittenen Kartoffeln, die Karotte und den Lauch in der Suppe kochen. Die Brühe nachwürzen. Zum Schluss kommen die Fischfilets für 4 bis 6 Minuten in die Suppe. Sobald sich der Fisch fest anfühlt, mit einem Schaumlöffel herausnehmen, in kleine Stücke schneiden und in die Suppenteller geben. Gemüse und Brühe hinzufügen, mit fein gehackter Dille und einem Schuss Zitronensaft abschmecken.

2 Gedanken zu „Tildas Untergang – Ucha, eine russische Edelfischsuppe

  1. Julia

    Das klingt großartig. Aber was macht die Suppe Deiner Meinung nach zu einer russischen? (Außer dass das Rezept natürlich aus Russland stammt). Hat sie anders geschmeckt (durch die Kartoffeln vielleicht?) als vergleichbare Fischsuppen. Die Zutaten klingen jedenfalls großartig. Kommt auf die laaaaaaaaaaange Nachkochliste 😉

  2. Karo Artikelautor

    Die schmeckt auch wirklich gut! In Osteuropa habe ich oft Suppen gegessen die sehr sauer schmecken. In Polen Zur und auch eine Suppe mit fein geriebenen Salzgurken und in Russland Botwina oder Tschorba (die beide mit Kwass zubereitet werden). Ucha schmeckt eben auch durch die Zitrone sehr säuerlich. Was aber wirklich perfekt zum Fisch passt. Bin gespannt wie sie dir schmeckt.

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