Valentine Warners Frisch & einfach kochen


In Großbritannien jagt inzwischen ein Fernsehkoch den nächsten. Auch Valentine Warner gehört zu den BBC-Stars. Wie der Klappentext zu Warners Frisch & einfach kochen verrät, ist der ehemalige Kunststudent, der u. a. bei Alistair Little und auch im St. John’s gekocht hat, „ein Suchender in Sachen Nahrungsmittel, Fischer und vor allen Dingen ein kulinarischer Abenteuer“. Seine Inszenierung erinnert an den Foodhunter. Warner kann jagen, fischen und kennt sich in den Wäldern aus. Das macht seine Kochshow What to Eat Now ungemein spannend. Umso mehr erstaunt, dass seine Rezepte – wenn auch gut gelungen – dann gar nicht so außergewöhnliche Zutaten beinhalten. Von jemandem, der so inszeniert wird, erwartet man dann doch ein paar Wildpflanzen und regionale Leckerbissen mehr und fragt sich, woher er seine Kokosstreusel und Limetten hat. Der Mann ist wohl doch eher Jäger als Sammler.



Auch seine Naturburschen-Prosa ist stellenweise zu viel des Guten, das Buch könnte ruhig auch sprachlich „frisch & einfach“ sein („Der Mai sieht, wie erotischer Spargel durch die Erde stößt, verbeugt sich dann vor den ankommenden majestätischen Artischocken, und Kräuter schmiegen sich wartend auf ihre volle Entfaltung an sonnenbeschienene Mauern.“).

Wie auch immer, vorrangig geht es doch um die Rezepte, und die sind, wie bereits gesagt, ganz gut gelungen. Auf schlichte, aber durchaus auch eigenwillige Fleischrezepte (Kalb mit Morcheln und Marsala oder etwa Maille Macrato – eine Version von Vittello Tonnato mit Schwein und Makrele ?!) folgt ein sehr anregendes Kapitel zu Fisch. Besonders das Makrelen-Tataki, die Ceviche und die Sardinen-Escabeche haben mir gut gefallen. Das Kapitel Gemüse beinhaltet neben dem Rezept für frittierte Zucchiniblüten oder Dicke Bohnen mit Pata-Negra-Schinken Klassiker wie etwa griechischen Salat und Spargel mit Sauce Hollandaise. Die Desserts sind solide und Johannisbeerpudding, Stachelbeerschnee und Kirschpie sind tolle Sommerdesserts, die man anderswo nicht so leicht findet. Was ich ausprobiert habe, war überraschend gut, und wahrscheinlich sollte man den Titel im Auge behalten: frisch & einfach. Schön, dass hier auch nicht mit unzähligen Kräuterbüscheln gewütet wird. Die Inszenierung britischer Fernsehköche ist natürlich ein anderes Kapitel. Wenn Warner seinen Lachs mitten im Wald räuchert und das Makrelen-Tataki direkt nach dem Angeln (Ingwer und Nori-Algen immer dabei!) zubereitet, haftet alldem etwas Überinszeniertes an. Es war ohnehin nur eine Frage der Zeit, die Trends des Jagens, Fischens und Sammelns in einer Person zu fusionieren. Warners TV-Show What to Eat Now? ist dann aber doch ganz sympathisch und interessant.

Favoriten

Makrelen-Tataki
Rohe Makrele, Nori, Ingwer, Sesam, Frühlingszwiebel

Hühnerleber mit Speck, Erbsen und Minze
Tolle Kombi mit einer leckeren Sauce mit Dijon-Senf

Johannisbeerpudding
Sophisticated White Trash! Ein Milchpudding mit schwarzen Johannisbeeren: Rezept

EPISODE 2, What to Eat Now hier

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Connect with Facebook

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>