Senegal – Mondlandschaften, Moscheen und Massentourismus

Dorf im SenegalReiseberichte sollen vor allem Lust aufs Reisen machen. Es nervt aber, dass zahlreiche Artikel wie bezahlte Werbetexte des jeweiligen Tourismusverbandes klingen: als ob alles immer großartig wäre. Ich finde, gerade Blogs können unabhängiger an die Sache herangehen und auch Schwachstellen eines Landes, nicht so überzeugende Hotels oder Attraktionen, die schlichtweg keine sind, kenntlich machen.Ich war diesen Februar im Senegal und habe gemischte Eindrücke gesammelt. Zusammengefasst kann ich sagen: Überall, wo im Reiseführer stand, es gebe absolut nichts zu sehen, war es genau so, wie ich es erhofft hatte – nette Leute, grandiose Märkte und entspanntes Alltagsleben –, fast überall, wo im Reiseführer von „Highlights“ die Rede war, wurde ich enttäuscht. Wenn man gut Französisch spricht, ist es im Senegal möglich, sich individuell und günstig zu bewegen. Das öffentliche Verkehrsnetz ist zwar katastrophal – die meisten Überlandbusse haben keine fixen Abfahrtszeiten und sind überfüllt –, man kann aber auch ein sogenanntes „Buschtaxi“ mieten.

Mein Französisch ist sehr beschränkt und meine Reisezeit war auf zwei Wochen begrenzt, in denen ich möglichst viel sehen wollte, deshalb habe ich mich für die teurere Variante entschieden: eine Rundreise mit Guide und Fahrer. Ich war mit einer Freundin unterwegs, wir haben online über die deutsche Agentur Africon Tours gebucht, ich finde im Nachhinein aber, dass wir nicht gut beraten, sondern mit einem lieblosen Standardprogramm abgespeist wurden. Ahmadou, unser afrikanischer Guide vor Ort, hätte das Programm sicher besser zusammenstellen können. Ihm ist wichtig, dass Besucher das Alltagsleben seiner Heimat kennenlernen. Er möchte sich selbstständig machen und spezielle Programme wie etwa Kochkurse bei einer senegalesischen Familie oder Touren zu den beeindruckendsten Moscheen Westafrikas anbieten. Sobald Ahmadou mit seiner Agentur online geht, reiche ich seinen Link an dieser Stelle nach.

Dakar – Senegals Hauptstadt


Die ersten Tage in der Hauptstadt Dakar haben wir allein verbracht, was absolut „easy going“ war. Das rasant wachsende Dakar hat zwar mittlerweile rund drei Millionen Einwohner, aber es wirkt noch immer dörflich und gemütlich. Wenn man in der Innenstadt wohnt, kann man das meiste zu Fuß erreichen. Um die Ecke des simplen, aber netten Hotel Ganalé (fast alle Hotels im Senegal haben Gratis-WLAN) liegt der Sandaga-Markt, für den man allerdings gute Nerven mitbringen sollte. Schon an seinen Rändern wird man „unverbindlich“ angesprochen, um dann zu einem Stand geschleppt zu werden. Durchschaut man das Spiel und antwortet nicht auf das ewige „Ça va?“, dann wird man prompt als Rassist beschimpft. Je entspannter man ist und je mehr Humor man mitbringt, desto besser – also vielleicht nicht gleich am Ankunftstag auf diesen Markt gehen. Überhaupt: Witz und Schlagfertigkeit werden im Senegal sehr geschätzt, je besser der Witz, desto schneller kommt man wirklich ins Gespräch und wird nicht als abzuzockender Tourist angesehen. Der Sandaga mit seiner neosudanesischen Architektur (Lehm und Zinnen) ist ein absolutes Highlight. Dringt man in das Herz der Markthalle vor, wird man auch in Ruhe gelassen. In einem dunklen, gewölbeüberdachten Raum türmen sich Berge von Mais, Hirse, Konservendosen, Fleisch – und Maggi, das im Senegal noch als modern gilt. „Avec Maggi, jacque femme est une étoile“ steht an vielen Häuserwänden, also: „Mit Maggi ist jede Frau ein Star.“ Apropos Essen: Ich mag die senegalesische Küche, obwohl sie nicht sonderlich abwechslungsreich ist. Die meisten Gerichte bestehen aus Reis oder Hirse, dazu gibt es Fisch oder Fleisch. Thieboudieune, das Nationalgericht, ist Reis und Tomatensauce mit Fisch oder Fleisch und Gemüse. Auch Yassa Poulet, gegrilltes Huhn mit marinierten Zwiebeln und Limettensauce, schmeckt hervorragend. Am liebsten aber mochte ich Mafé, Fleisch in Erdnusssauce mit Reis. Die Gerichte haben ohnehin in jedem Restaurant so unterschiedlich geschmeckt, dass ich ihrer in zwei Wochen nicht überdrüssig wurde. Der charmante Kermel-Markt, der bekannteste Lebensmittelmarkt von Dakar, liegt ebenfalls im Zentrum, aber um die runde Halle reihen sich langweilige Touristenstände aneinander. Der Hauptplatz von Dakar, der Place de I’Independance, ist zwar groß, aber auch reichlich abgefuckt, hier kann es einem sogar tagsüber passieren, dass man aggressiv angesprochen wird. Viel arabisches Flair verströmt hingegen die Medina, das Arme-Leute-Viertel, mit ihren übervollen Märkten und engen Gassen. Hier ist immer etwas los, Fotografieren wird allerdings – wie fast überall im Senegal – nicht gern gesehen.

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