Senegal – Mondlandschaften, Moscheen und Massentourismus

In zwei Tagen hat man Dakar eigentlich gesehen – aber es ist auch spannend, ein bisschen länger zu bleiben, die vielen Vororte, die doch sehr unterschiedlich sind, zu besuchen und ein Gefühl für das soziale Gefälle in der Stadt zu bekommen. Der arme Stadtteil Yoff etwa hat wirklich noch viel von einem alten Fischerdorf, das reichere Ngor hingegen wartet mit einem schönen Strand und netten Cafés auf. Die Sonntage in Dakar sind so verschlafen wie die in Wien, kaum ein Geschäft hat geöffnet, dafür sieht man im Nobelvorort Les Mamelles Familien promenieren und Yuppies joggen. Am besten, man setzt sich in ein Strandcafé und schaut aufs Meer.

Das umstrittene 2010 gebaute Denkmal „Monument de la Renaissance africaine“ liegt im Norden von Dakar. Es ist mit 54 Metern höher als die New Yorker Freiheitsstatue, Staatschef Abdoulaye Wade musste für dieses eher an totalitäre Länder erinnernde Bauwerk aber zu Recht viel Kritik einstecken. Rund 20 Millionen Euro, die das heruntergewirtschaftete Land besser verwenden hätte können, hat die Kitschstatue gekostet. Ich war ohnehin sehr überrascht, in welch schlechtem Zustand der Senegal ist. Wade, der angetreten war, das Land zu modernisieren, ist mittlerweile wohl so korrupt, wie es die gestürzte Regierung in Tunesien war. Er schneidet bei allen Geschäften kräftig mit und wird, glaubt man Einheimischen, die nächste Wahl sicher nicht überstehen. Politisch deprimierend im Senegal ist: Es wird zwar ganz demokratisch über alle Skandale des Präsidenten in den freien Medien berichtet, allein es gibt keine Konsequenzen. In Dakar kommt es regelmäßig zu Stromausfällen, die ganze Viertel lahmlegen, weil die der staatliche Elektrizitätanbieter korrupt ist. In den Hauptstraßen, die durchs Land führen, klaffen metertiefe Löcher.

Ile de Gorée


Eine Bootsfahrt von Dakar zur Insel Gorée gehört zum historischen Pflichtprogramm jeder Senegal-Reise: Von hier aus wurden im 18. Jahrhundert Sklaven in alle Welt verschifft. Klar, aus kolonialgeschichtlichen Gründen ist der Ort beeindruckend, aber im Grunde ist das große Freiluftmuseum ein reiner Touristentreff, eine herausgeputzte Shoppingmeile, die einen auch ein wenig leer zurücklässt.

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