Senegal – Mondlandschaften, Moscheen und Massentourismus

Der Djoudi-Naturpark, der Lac rose und die Touristenhölle Saly

Der Djoudj-Naturpark im Norden der Stadt ist berühmt für seine Vögel. Eine Schiffstour zur Pelikankolonie ist nett, aber eigentlich habe ich später in Sine-Saloum genauso viele Vögel gesehen. Ist man kein Ornithologe, kann man sich die Fahrt in den Norden eigentlich sparen. Auf der Rückreise nach Dakar haben wird am Lac Rose Halt gemacht. Durch die Algen soll der See, in dem Salz abgebaut wird, eine rosa Farbe haben. Unser Guide hat schon im Vorfeld gewarnt: Rosa ist er nur bei einem bestimmten Sonnenstand. Bei uns war der See eine braune Brühe. Sonderlich viel gab es nicht zu sehen, und das Mittagessen im Hotel war völlig überteuert – zumindest für den Standard des Hotels, das zum letzten Mal wohl in den 80er-Jahren renoviert wurde. Wir haben also beschlossen: Wir möchten nur mehr dort essen, wo auch die Einheimischen hingehen, und wir wollen vor allem dort Stopps machen, wo es keine Highlights zu sehen gibt. Die Imbisse, in denen wir fortan einkehrten, machten zwar aus hygienischen Gründen Angst (nach der Toilette sollte man besser nicht fragen), aber das Essen war nicht nur extrem billig, sondern auch durchgehend sehr gut. Auf unserem Weg ins Landesinnere mussten wir allerdings noch im Ferienort Saly übernachten, in einem All-inclusive-Club. Ein Alptraum – ich bin mir wie in einem Houellebecq-Roman vorgekommen: Massen von unsympathischen Franzosen, die Sexurlaub machen, dazu dröhnende Musik die ganze Nacht. Cheap & awful. Nach einer Nacht in Saly wollte ich die Reise abbrechen.

Unspektakulär spektakulär: Kaolack, Tambacounda und Kedougu


Zum Glück sind wir geblieben, unser neues Konzept des Unspektakulären zeigte mir viel, wofür ich den Senegal doch schätzen gelernt habe. Ali, unser Fahrer, hatte in jedem Ort Freunde oder Familie. Wir saßen also abends am Straßenrand, tranken Tee und sahen den Leuten beim Flanieren zu. Kaolack, das Zentrum des Erdnussanbaus, ist ein Verkehrsknotenpunkt, die Stadt gilt als unattraktiv und verschmutzt. Ich muss sagen: Ich liebe Kaolack. Der Markt ist fantastisch, man wird in Ruhe gelassen, das Angebot ist traditionell und nicht touristisch und die riesige Markthalle ist architektonisch beeindruckend. Und nicht zu vergessen: die etwas abgelegene bizarre Moschee mit den Raketenminaretten.

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