Senegal – Mondlandschaften, Moscheen und Massentourismus

Senegalesischer Alltag
Dank Ali wurden wir in einigen kleineren Orten zum Tee eingeladen, und es war wie in den Filmen des senegalesischen Regisseurs Ousmane Sembène: Starke Frauen in imposanten Kleidern halten die Familie zusammen. Das Modebewusstsein der Senegalesinnen – aber auch der Senegalesen – ist faszinierend. Man zieht sich mehrmals am Tag um, eine Nachbarin, die bei Alis Mutter nur kurz zum Plaudern vorbeikam, war aufgedonnert wie für einen Ball. Und zu erzählen gab es auch immer etwas. Sympathisch ist im Senegal auch, wie undogmatisch der Islam praktiziert wird. Ali betete zwar regelmäßig – aber wenn seine kleine Nichte ein Kunststückchen vormachte, dann war sie einfach interessanter als jeder Gottesdienst.


Tambacounda ist ein nettes Städtchen mit einem guten Markt, Kedougou ebenfalls, die Nähmaschinen in den Stoffgeschäften der Märkte rattern ohne Ende. Ich war total überrascht, wie viele
unterschiedliche Stoffe es gibt: Kein einziges Muster habe ich ein zweites Mal gesehen.

Im Land der Bassari und Iwol und im Niokolo-Koba-Nationalpark
Fährt man ins Landesinnere, wird es immer trockener, die Erde wird staubiger, die Farben wechseln zwischen hellen Braun- und satten Rottönen. Es mag ein Klischee sein, aber so stellt man sich Afrika vor. Ein Ausflug ins Land der Bassari und Iwol ganz im Osten des Landes ist landschaftlich umwerfend, aber irritierend. In dem „vom Tourismus relativ unberührten Dorf“ muss man Eintritt bezahlen, und die Touristengruppen kommen im Halbstundentakt. Man würde sich nicht wundern, wenn die Dorfbewohner abends ihre Satellitenschüsseln herausholen.
Ein Tiefpunkt ist der Niokolo-Koba-Nationalpark: Das riesige Gebiet ist fast leergewildert, es gibt kaum mehr Tiere zu sehen und die Landschaft ist auch nicht sonderlich speziell. Letzte Woche, so wurde bei der Ankunft erzählt, sind zehn Wilderer erschossen worden. Die Hüter und die Diebe, die mit Kalaschnikows bewaffnet sind, liefern sich regelmäßig erbitterte Kämpfe. Das erbeutete Antilopenfleisch wird meist getrocknet, in riesigen Lastern über die Grenzen geschmuggelt und dann verkauft. Ein trauriger Zustand. Das staatliche Camp im Park, in dem man übernachten kann, ist lieblos und hat bessere Zeiten schon längst hinter sich. Unser Guide sagt: Er hätte uns nicht hierher gebracht, der Tierpark Bandia, unweit von Dakar, wo er auch arbeitet, sei viel schöner. Am Heimweg bleiben wir kurz dort stehen, weil ich unbedingt Hyänen sehen möchte. Der Park sieht vielversprechend aus, obwohl wir nur wenig davon sehen, weil wir weiter müssen.

Fischmärkte

In den wichtigsten Hafenstädten gibt es Fischmärkte. Die Frauen in ihren bunten Kleidern warten am Strand auf die Fische, die die Männer in ihren Holzbooten bringen. Fischmärkte sehen alle gleich aus: so, dass man danach sicher keinen Fisch mehr essen möchte. Ich liebe Märkte, je mehr los ist, je stärker die Gerüche sind, je mehr Menschen sich auf engstem Raum hin und her schieben, desto glücklicher und aufgekratzter werde ich. Märkte machen mich nicht müde, sie pushen mich. Deshalb fand ich die Fischmärkte großartig. Hygienisch sind sie natürlich ein Wahnsinn: Zuerst werden die Fische in den verdreckten Sand geschmissen, dann gammeln sie in der Verkaufshalle auf einem öligen Betonboden vor sich hin. Fliegen kreisen um die stinkende Ware. Umwelttechnisch hat der Senegal überhaupt ein Problem: kaum eine Stadt, kaum ein Dorf, in dem sich an der Ausfahrt nicht Berge von Plastik türmen. Wir sind tapfer, gleich nach dem Fischmarkt gehen wir in einen Imbiss und essen Fisch. Auf der Gabel klebt noch Kaugummi von einem anderen Gast. Aber es schmeckt einfach gut. Nur: Wasser aus der Leitung sollte man auf keinen Fall trinken.

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