Senegal – Mondlandschaften, Moscheen und Massentourismus

Sine Saloum – Urlaub auf dem Mond

Das Beste kommt zum Schluss: Wenn es eine Landschaft gibt, die den Senegal unvergleichlich macht, dann ist es Sine-Saloum (die Casamance haben wir leider nicht gesehen, dort soll es auch sehr schön sein). Durch die Straßen der Muschelinsel Joal-Fadiouth wird man durchgeschleust – der Ort mit seinem weißen Friedhof ist zwar malerisch, aber eben auch sehr touristisch –, im Nationalpark weiter südlich wird es dann ruhiger. Im Dorf Ndangane, wo Pirogenausflüge angeboten werden, warten allerdings auch wieder der 80er-Jahre-Billigtourismus und Verkäuferinnen, die ein freundliches Nein nicht akzeptieren. Man muss einfach abseits der touristischen Pfade bleiben. Die Lodge des Collines de Niassam ist ihren Preis wert: Das kleine Ressort mit seinen Hütten (sogar Baumhäuser sind dabei) liegt völlig abseits in einer mondartig-leeren Landschaft. In einzelnen Salzlachen tummeln sich Pelikane, man kann stundenlang in wüstenartigen Flachlandschaften zu Palmenhainen wandern. Sine-Saloum ist Entspannung pur. Wie Urlaub auf dem Mond, bizarr und faszinierend. Und in der Nacht hört man die Hyänen heulen (man kann auch nächtliche Hyänen-Beobachtungstouren buchen). In Sine-Saloum wäre ich gerne noch länger geblieben.

Fazit: Westafrika gilt allgemein nicht als Luxusdestination. Individuell zu reisen ist im Senegal für Menschen, die nicht gut Französisch sprechen, aufgrund der fehlenden Verkehrsinfrastruktur schwierig, weshalb man gern auf die teurere Fahrer & Guide-Variante zurückgreift. Ich muss sagen: Das Preis-Leistungs-Verhältnis hat für mich in dem doch ziemlich heruntergewirtschafteten Land nicht gestimmt. Die Landschaft ist in Namibia und in Südafrika spektakulärer und die Hotels sind dort moderner, die Architektur ist in Mali ausgefallener, Masken und Kultobjekte bekommt man im Benin oder in Togo authentischere angeboten. Der Senegal hat landschaftlich – sieht man von der bizarren Mondlandschaft von Sine-Saloum ab, wo in den letzten Jahren auch spektakuläre Lodges entstanden sind –, kaum Highlights zu bieten. Man muss sich im Senegal einfach von den Orten fernhalten, die wie Billigtourismus im Griechenland der 80er-Jahre wirken: einfach nur aufdringlich und stillos. Am besten ist im Senegal ohnehin der unspektakuläre Alltag: riesige Märkte, auf denen man alles bekommt, von Gewürzen bis zu Stoffen, von Unterwäsche bis zu CDs. Schön sind die kleinen Dörfer, die erdigen Landstraßen. Und vor allem: neugierige und witzige Einheimische, die sehr gastfreundlich und extrem modebewusst sind. Es ist beeindruckend, wie perfekt und sauber die bunten Kleider der Menschen trotz der staubigen Böden sind. Da kommt man sich als Tourist richtig schmuddelig vor. Aber wer nimmt schon genug Kleidung mit, um sich dreimal am Tag umzuziehen?

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