Schlank mit Stäbchen: Hunger macht böse


Ich hätte nie gedacht, dass ausgerechnet ich auf diesem Blog je ein Diätbuch besprechen werde. Unlängst habe ich mir aber voller Enthusiasmus Kimiko Barbers Buch Schlank mit Stäbchen (The Chopsticks Diet) besorgt, quasi als Ausgleich zu meinen lasterhaften Kochbüchern über Eiscremes, Desserts, Schweinsbraten & Co. Wer diesen Blog verfolgt, der kennt Kimiko Barber sicherlich schon. Sie hat das tollste japanische Kochbuch verfasst, das ich kenne: Die japanische Küche. Darin erfährt man alles über typische japanische Zutaten, man lernt Hijiki von Wakame unterscheiden und weiß, wie es aussieht, wenn ein Enokipilz wächst. Außerdem gelingen die Rezepte, ohne dass man dafür einen dreimonatigen Gemüseschnitzkurs besuchen muss. Japanische Hausmannskost vom Feinsten.

Bei Schlank mit Stäbchen habe ich mir ein paar Vorschläge für gesunde Mahlzeiten erwartet, vor  allem japanische Suppen und gute japanische Gemüse, Fisch- und Tofurezepte. Entgegen aller Verachtung, die Kohlehydrate derzeit von Diätgurus erfahren, beinhaltet das Kochbuch aber sehr viele Reisrezepte und auch unterschiedlichste Nudelvarianten. Und man muss Kimiko Barber recht geben: Japaner essen so und haben keine Gewichtsprobleme, weil sie die Kohlenhydrate ohne größere Fettmengen essen und – so zumindest die These – dank Stäbchen auch langsamer (wer je einen Asiaten mit Stäbchen essen gesehen hat, weiß allerdings, dass das eine Lüge ist. Nur ungeschickte Europäer können davon profitieren.). Das Buch ist in die Kapitel „Frühstück“, „Lunch“, „Lunchpakete“, „Salate“, „Suppen“, „Leichte Mahlzeiten für den Abend“, „Für den Heißhunger“ und „Desserts“ gegliedert. Wie schon in Die japanische Küche erfährt man Interessantes über diverse japanische Lebensmittel. Das Buch punktet vor allem mit vielen Gerichten, die man einfach in den Alltag einbinden oder als Lunchbox ins Büro mitnehmen kann, wie einfache Gemüsesushis oder auch (fast zu) schlichte Rezepte mit Sobanudeln. Besonders gut schmeckt mir Grüntee-Furikake (Naturreis garniert mit Wakame, grünem Tee und Sesam, Rezept folgt!). Die Salate haben meinen Geschmack eher weniger getroffen, und wie bei vielen Diätrezepten überwältigt mich allein beim Ansehen schon ein gewaltiges Hungergefühl und das Bedürfnis nach Fett. Die Suppen wiederum sind einfach und gut geraten. Und was ich sonst noch mitgenommen habe: Man kann aus dem ekligen Zeug Konjak, derzeit der meistgehypte Diättipp, durch Hinzugabe von Sesamöl, Sojasauce, Mirin und Chili tatsächlich einen essbaren Snack herstellen.

Die Ästhetik des Kochbuchs finde ich leider ein bisschen zu sehr 90er v. a. im Vergleich zum Vorgänger Die japanische Küche. Aber wenigstens wird man nicht mit Bildern von glücklichen, schlanken Frauen gequält, von deren Lippen Sojamilch trieft. Dass der Christian Verlag das Buch mit dem Titel „Die Geisha-Diät“ bewirbt, ist allerdings daneben. Mir ist bei diesem Buch (wenn es einen auch nicht mit dem üblichen sexistischen Geschwätz über Diäten belästigt) letztendlich klar geworden, dass es einfach zufriedener macht, etwas zu essen, das nichts mit dem Thema Diät zu tun hat. Die besten japanischen Kochbücher kommen zum Glück auch ohne das Etikett Diät aus.  Rezepte

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