Warschau – „What’s for dinner. I want Piroggi!“ © Tracy Jordan


Wer an Warschau denkt, dem fallen sicherlich jede Menge Klischees ein. Die Stadt gilt als grau, hässlich und vielleicht auch noch arm, gemessen an „westlichen Standards“. Tatsächlich aber hat mich Warschau sehr beeindruckt – und überrascht. Nicht nur habe ich zu meiner Verblüffung erfahren, dass hier Vollbeschäftigung herrscht, auch sonst musste ich mir eingestehen, wie provinziell meine Heimatstadt Wien im Vergleich zu Warschau wirkt.


Die Stadt ist spannend, weil sie reich an Gegensätzen ist. Während sich im Zentrum, zwischen Kulturpalast, Libeskind-Tower und zahlreichen Einkaufszentren, Menschenmengen tummeln, wirkt das angeblich hippe Künstlerviertel Praga doch sehr verschlafen. Aber auch dieser Teil der Stadt schafft es zumindest architektonisch zu überzeugen, zählt er doch zu den wenigen Vierteln, die den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet überstanden haben und deswegen noch viel alte Bausubstanz aufweisen. Überrascht hat mich auch das hohe Maß an Kreativität: Ungewöhnliche Bar- und Restaurantkonzepte trafen meinen Geschmack. Mutige Architektur und coole Concept Stores gibt es zumindest mehr als in Wien.

Hier nun die Favoriten in Bild und Text:

Die besten Restaurants
Eine Patchwork-Familie hat die Restauranthoheit in der Stadt. Die Gebrüder Gessler, die Exfrau des Bruders Piotr Magda Gessler sowie Piotrs aktuelle Ehefrau Marta Gessler führen die Warschauer Gastronomenranglisten an. Dabei könnten die einzelnen Restaurantkonzepte unterschiedlicher nicht sein.

U Kucharzy – Bei den Köchen

Ein Muss für jeden Warschau-Reisenden ist der Besuch des Restaurants U Kucharzy der Gessler-Brüder. Die Gäste dinieren in der labyrinthartigen Küche eines nicht mehr in Betrieb befindlichen Hotels. Die Köche servieren die zubereiteten Speisen höchstpersönlich und es wird bei den gereichten Portionen nicht gespart. Wer Beef Tatar bestellt, darf umgehend die Gesellschaft eines Kochs genießen, der, ausgestattet mit einem Rollwagen und allen Zutaten, zum Tisch kommt, um das Rindfleisch vor den Augen des Gasts zu Tatar zu verarbeiten.

Unbedingt bestellen: Beef Tatar, Zupa Szczawiowa (Sauerampfersuppe), Barszcz/Botwinka (Rote-Rüben-Suppe), Schweinsbraten mit Zwiebeln und Knoblauch
Ulica Ossolinskich 7

Slodki Slony

Nach ihrer Scheidung von Piotr Gessler hat Magda Gessler nicht nur einen Teil des Gessler’schen Restaurant-Imperiums erhalten, sie stieg auch zur Queen der Warschauer High Society auf. Ihr persönlicher Look ist genauso schauderhaft wie das Interieur ihrer Lokale, aber das Essen ist umwerfend. Nach einer längeren Shoppingtour durch die Ulica Mokotowska haben Helma und ich dort die absolut beste Rote-Rüben-Suppe und den fantastischsten Chlodnik gegessen. Für Schleckermäuler gibt es, wie der Name „Süß und salzig“ verspricht, auch Kuchen und Torten. Zum Schluss mussten wir über die WC-Schilder lachen. Während Männer das WC mit dem Bananenschild aufsuchen, ist für Frauen die Toilette mit der Birne an der Tür bestimmt.
Ulica Mokotowska 45


Verpasst haben wir die Milchbars von denen es noch einige wenige in Warschau gibt. Unsere Reiseführer empfehlen:
Bambino – Ulica Krucza 21
Prasowy – Ulica Marszalkowska 10/16

Die besten Bars

Przekaski Zakaski

So eine Bar braucht jede Stadt. Die überschaubare Getränkekarte umfasst Bier, Wein, Wodka, Kaffee und Tee zum unschlagbaren Preis von 1 Euro (4 ZL). Zusätzlich werden deftige polnische Snacks für 2 Euro gereicht (Leberpastete, Hering, Schweinefüße in Aspik). Die Bar hat täglich 24 Stunden geöffnet und zieht alle möglichen Besucher an. Besonders toll ist die große runde Bar, um die herum sich die Gäste aufreihen. Freitags kann man das kleine Grüppchen radikaler Katholiken gegenüber beim Demonstrieren beobachten. Aktuell fordern sie ein Gedenkkreuz für den bei einem Flugzeugabsturz umgekommenen Präsidenten Kaczynski.
Krakowskie Przedmiescie 13

Warszawa Powislé

In einem ehemaligen Zugticketverkaufshütterl befindet sich eine der besten Sommerbars Warschaus. Die Bar ist klein, aber der Platz davor ist großzügig und man lernt hier schnell die hippsten Warschauer kennen. Wer es mag, trinkt das Biobier Ciechan mit Honiggeschmack oder verspeist eine süße Waffel aus dem Speisetruck gegenüber der Bar. Auch Liebhaber  sozialistisch-futuristischer Architektur kommen hier auf ihre Kosten.
Ulica Kruczkowskiego 3b

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