Viva Mexico! – Streetfood aus Mexiko aus der eigenen Küche

Ich muss zugeben: Die Küche Mexikos hat mich bisher nicht sonderlich interessiert. Die wenigen Wiener Restaurants schienen mir überteuert dafür, dass viele Gerichte doch sehr billig herzustellen sind – Burritos und Enchiladas sind letztendlich nur Fastfood. Außerdem hatte ich beim Selberkochen immer Angst, dass die Rezepte doch recht aufwendig sind. Und nicht zuletzt: Mexikanische Küche gilt nicht gerade als Dünnmacherin, schwer und fettig (Mais!) stellt man sich das Essen vor. Ein Kochbuch hat mich vom Gegenteil überzeugt: Thomasina Miers Mexikanisch kochen ganz einfach hält, was es verspricht.
Die Rezepte sind absolut nachkochbar, auch die Zutaten sind abgesehen von einigen Ausnahmen nicht sonderlich schwierig zu besorgen. Und Miers’ Anspruch, auch die leichte Küche des Landes zu zeigen, geht voll auf. Viele Rezepte sind ideal für den Sommer – etwa das Zucchiniblüten-Omelette mit Ricotta und Estragon oder die Straßenpizza aus Oaxaca. Aber keine Sorge, auch die klassisch „schwere Küche“ Mexikos kommt nicht zu kurz – Miers kocht dabei oft ganz authentisch mit Schmalz. Dabei bleibt Miers nicht bei Guacamole, Mole Poblano (Hühnchen mit Schokolade
fantastisch!), Tortillas, Ceviche, Frijoles refritos und Tacos, sondern zeigt auch ungewöhnliche Rezepte wie gewürzte Schweineschwarte oder Polenta mit Blutwurst. Das Kochbuch punktet auch mit vielen Rezepten für Salsas, Salate und tollen Desserts. Ihre Maispfannkuchen etwa waren für mich eine echte Entdeckung – schnell herzustellen, sehr flaumig und fantastisch zu kombinieren, sowohl mit süßen als auch mit salzigen Auflagen.  Gut geschmeckt haben auch die Limonaden (aqua fresca) mit Gurke oder Tamarinde, aber auch die Rezepte für Margaritas (mit Tamarinde!) sind nicht zu verachten.

Gefallen hat mir auch die Ästhetik des Kochbuchs: Es ist zwar bunt, aber doch minimalistisch gestaltet, und es strapaziert keine Mexiko-Klischees (nur einmal tanzen zwei Skelette). Ein Buch über Mexikos Küche war für den deutschen Sprachraum längst fällig, und Miers schließt diese Lücke mit Qualität.

Die Autorin hat an der englischen Kochshow Master Chief teilgenommen (und 2005 gewonnen), nach der ich eine Zeit lang süchtig war. Sie war eine der sympathischsten Kandidatinnen: keine Streberin, stets originell und oft auch sehr mutig bei ihren Kreationen – vor allem aber: absolut begeistert von Essen. Mittlerweile betreibt sie einige Restaurants in London, die auf mexikanisches Streetfood spezialisiert sind. Diese Kocherfahrung merkt man den Rezepten auf angenehme Weise an. Und schließlich finde ich sowieso: Streetfood ist das beste Essen der Welt. Nur in absoluten Gourmetrestaurants ist der Druck ähnlich hoch: Auf der Straße ist die Konkurrenz einfach zu groß, um es sich leisten zu können, schlecht zu kochen.

Viva Mexico!

Streetfood aus Mexiko aus der eigenen Küche

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