On the Rocks: Grönland macht süchtig

Keine Reise hat mich so verändert wie die nach Grönland. Früher habe ich mich auf den Sommer wahnsinnig gefreut, heute kommt mir der hellste Sonnentag im Vergleich zur glasklaren und extremen Wintersonne in der Arktis dunkel vor. Ich freue mich schon im Sommer auf den nächsten Winter, auf die klirrende, trockene Kälte. Und ich plane schon jetzt meine nächsten Reisen in die Arktis und die Antarktis. Auf jedem Prospekt für eine Arktis-Reise müsste also stehen: Achtung Suchtgefahr! Ich war im März dort und fand das Frühjahr eine ideale Reisezeit: Es liegt noch Schnee, aber die Sonne strahlt. Die Zahl der Touristen hält sich in Grenzen, Kreuzfahrtschiffe gibt es noch keine.

Der Nachteil einer Reise in den hohen Norden liegt auf der Hand: Die Arktis ist extrem teuer. Erschwerend kommt hinzu, dass man nicht direkt nach Grönland kommt, man muss beim Hin- und Zurückfahren in Kopenhagen übernachten – oder man fliegt von Island dorthin. Die regionale Fluglinie Airgreenland ist zwar auch teuer, aber praktisch: Man bucht keine Hin- und Retourflüge im Inland, sondern nur One-Way-Tickets, so kann man bequem im Land herumhüpfen.

Schon der Anflug auf Kangerlussuaq, den internationalen Flughafen, ist spektakulär, man überquert den imposanten Russels-Gletscher, und dessen unvergleichlich blaues Inlandeis leuchtet in der Sonne. Um in die Hauptstadt zu kommen, muss man umsteigen. Ich war fünf Tage in der Hauptstadt Nuuk. Viele sagen, Nuuk mit seinen riesigen Plattenbauten und seinem modernen Lebensgefühl sei nicht mehr das richtige Grönland. Für uns Europäer ist Nuuk noch immer eine höchst beschauliche Stadt. Und außerdem – Grönland hat ohnehin längst eine hybride und gespaltene Gesellschaft: Während die Eltern am Küchentisch eine ganze Robbe ausnehmen, spielen die Kinder im Wohnzimmer mit ihren Videogames. Ich glaube sowieso nicht ans Authentische, zumindest nicht im klassischen Sinn. Es geht darum, wie alte Traditionen mit neuen Lebensformen zusammenspielen. Nuuk hat 16.000 Einwohner und ein modernes Theater, das Kulturzentrum Katuaq, eine coole Holzarchitektur, die auch in Europa stehen könnte. Nebenan wird gerade ein großes Einkaufszentrum gebaut. Die Hauptstraße ist übersichtlich, die wenigen Pubs und Bars kennt man nach zwei Tagen alle, das grönländische Bier schmeckt eigenartig, aber hervorragend. Es lohnt sich, länger zu bleiben.

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6 Responses to On the Rocks: Grönland macht süchtig

  1. katha says:

    und ein hallenbad, das einzige grönlands! das wird aber weniger zum schwimmen, als vielmehr zum kanu-üben der kleinen kinder verwendet. mit eigenen augen gesehen und sehr begeistert gewesen. wie überhaupt von grönland. bin neugierig, was du noch erzählen wirst.

  2. Karin cerny says:

    liebe katha, du bist aber schnell mit deiner reaktion. wo warst du überall in grönland? ich möchte so gerne nochmal hinfahren. lieben gruß, karin

  3. katha says:

    feedreader ;-)
    kangerlussuaq (lässt sich wohl nicht vermeiden ;-) ), nuuk, ilulissat und natürlich draußen auf dem eismeer. habe damals auch eine sehr große reisegeschichte mit fotos in der maxima geschrieben. ich würde auch gerne nochmal hinfahren. aber es ist halt wirklich extrem teuer.

  4. Hesting says:

    Reise in die Antarktis? Lohnt sich das für 2 Wochen oder hängst Du noch Neuseeland oder Patagonien dran?

    Die Bilder sehen schon sehr verführerisch aus …

  5. Karin cerny says:

    @katha, danke für den link, tolle fotos hast du gemacht, da bekomm ich gleich wieder fernweh. aber ich fürchte auch, dass sich das so bald nicht verwirklichen lässt. ich würde dann auch eher was neues ausprobieren, am liebsten spitzbergen.
    @hesting, ich weiß, man sollte so eine reise kombinieren, aber mir reichen zwei wochen auf see, einen tag in ushuia hab ich eingeplant, mehr nicht. reisetage dauern ohnehin doppelt so lange wie normale tage, deshalb finde ich zwei wochen immer ausreichend.

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