Kochbücher – 6+3 Volltreffer


Unlängst habe ich darüber nachgedacht, welche meine Lieblingskochbücher sind, und ehrlich gesagt, ich habe keine Ahnung, ich möchte kaum eines missen, man findet in jedem noch so gering geschätzten Werk eine Idee. Katharina hat in ihrem Blog esskultur ihre 10 unverzichtbaren Kochbücher gelinkt, und man kann ihr nur zustimmen: Prato, Hazan und Plachutta sind Standardwerke, die man sich unbedingt anschaffen sollte. Hier nun nicht meine 10 unverzichtbaren Kochbücher, sondern 6+3 Highlights, die ich im letzten Jahr entdeckt habe.


Jacob Kenedy Bocca Cookbook (en)
Das ist der Favorit unter all meinen Anschaffungen in Sachen italienische Küche, auch wenn ich es erst seit kurzer Zeit besitze und kaum noch etwas daraus gekocht habe. Eine herrliche Rezeptesammlung! Ob selbst gemachte Orecchiette oder ein mit Pinienkernen, Rosinen und Anchovis im Ganzen gefüllter Endivienkopf, das Kochbuch überzeugt mit authentischen italienischen Rezepten aus allen Regionen. Man findet sogar ein Kapitel mit Rezepten für Würste, etwa für die von mir heiß geliebte Finocchiona oder die Luganega. Klassische Rezepte, die sonst nicht so einfach zu finden sind, wie Schiacciata mit Weintrauben (die ich jedoch nie ausprobieren werde, weil mein Rezept von Maggie Beer perfekt ist), Endiviensuppe mit Cannellini-Bohnen, Pappardelle mit Hühnerleber, Borlotti-Bohnen mit Schweinehaut oder Aal mit Polenta, aber auch eine Focaccia mit Lunge! Auch die Desserts sind nicht zu verachten, ob Kaki- oder Avocadosorbet oder eine klassische Cassata oder, um wieder auf die Innereien zurückzukommen, das siziliansiche Sanguinaccio, das mit Schweineblut gemacht wird (eine kleine Story dazu hier). Endlich ein Kochbuchautor, der zeigt, dass italienische Küche nicht so „sauber“
ist wie Mozzarella mit Tomaten. Hier ein Vorgeschmack aus dem Guardian.

Stéphane Reynaud Porks and Sons (Das saugute Kochbuch)
In der Steiermark unter Saubauern aufgewachsen, in jener Region, die man unlängst in Vulkanland umbenennen wollte – leider bin ich nun keine Vulkanierin geworden –, geht für mich nichts über Schweinefleisch. Unverständlich, in wie schlechter Qualität es meist serviert wird. Kein Wunder, dass es viele so gar nicht schätzen. Dieses Kochbuch schafft Abhilfe, auch wenn es den Kauf einwandfreier Ware natürlich nicht ersetzen kann. Es ist eine einzige Hymne auf das Schweinefleisch. Drei Generationen einer französischen Metzgerfamilie geben hier ihr kostbares Wissen preis. Blutwürste, Würste, Eintöpfe und Braten. Das Ganze in einer wunderbar erdigen Ästhetik. Unentbehrlich für Schweinefans!

Niki Segnit Der Geschmacksthesaurus
Ein tolles Buch, um sich inspirieren zu lassen. Eigentlich bin ich ja kein Fan ausgefallener Kombinationen, ich hasse es, wenn Leute immer alles ganz besonders würzen müssen und schon automatisch das Hibiskussalz auf dem Tisch steht oder hochwertige Schokolade mit Zimt, Lavendel oder sonstigem Gewürz betäubt wird. Der Spicy-Fetisch mutet manchmal schon ein wenig absurd an. Wenn Leute nicht einmal mehr wissen, wie Majoran schmeckt, aber zugleich Vanillesalz verwenden, kann das nicht gut gehen. Aber natürlich gibt es auch unwahrscheinlich gute Kombinationen, die Experimente rechtfertigen, und natürlich ist Ananas mit Minze oder Kürbis mit Zimt toll. Den Tipp etwa, dass man Erdbeeren oder auch schwarze Johannisbeeren mit Anis kombinieren kann, verdanke ich diesem Buch. Das nächste Mal werde ich das Baiser meiner Cassis-Tarte bestimmt mit Anis würzen, und das Ananassorbet werde ich ab nun mit Pernod verfeinern. Aber das ist nicht alles, Segnit hat wirklich gut recherchiert, der Titel „Thesaurus“ ist nicht übertrieben. Auch wenn man vieles bereits kennt, sind doch einige Überraschungen dabei, die die Anschaffung wert sind.


Tessa Kiros Griechenland in meiner Küche
Für Hungry Eyes-LeserInnen ist es kein Geheimnis, dass ich die griechische Küche liebe und ein großer Fan der Kochbuchautorin Tessa Kiros bin. Das neueste Buch von Kiros ist ganz auf der Linie ihrer bisherigen Kochbücher: schlichte Küche – no fusion, no fuss. Ganz besonders mag ich ihre Dessertrezepte, das Mastixeis ist noch besser als das aus „Die Welt in meiner Küche“, weil es mit klebrigem Salep angerührt wird. Das Ouzosorbet ist einfach genial. Das Beste an diesem Kochbuch sind aber die Fotos. Wie schon in Piri Piri Starfish und Venedig verfolgt das Buch eine eigenwillige Ästhetik – von Heiligentrash über altes Geschirr bis zu Fleckerlteppichen. Man fühlt sich hier total im Ostblock statt geschönt mediterran in Yves Klein-Blau. Die Bilder erinnern mich an meine Ausflüge zu Oma nach Tito-Jugoslawien, und schon dafür liebe ich dieses Kochbuch. Dass das Cover der deutschen Ausgabe wieder einmal misslungen ist, muss auch erwähnt werden. Hoffentlich hört Dorling Kindersley Germany endlich einmal damit auf, die Dinge besser machen zu wollen als die Briten. No, you can’t!!


Yotam Ottolenghi Genussvoll vegetarisch (en: Plenty)
Man kann es nicht oft genug sagen, dass auch das Cover dieses Buches ästhetisch misslungen ist, ebenso die Übersetzung des Titels Plenty, aber man kann auch nicht oft genug erwähnen, dass es ein fantastisches Kochbuch ist. Wenn ich darüber nachdenke, aus welchem Kochbuch ich am meisten ausprobiert habe, dann liegt dieses mit Abstand ganz vorn. Karamelisierter Fenchel mit Ziegenfrischkäse, Shakshuka, Linsensalat mit Haselnüssen und Sellerie, Sobanudeln mit Mango und Aubergine, Zitronen-Auberginen-Risotto, Socca, Gurkensalat mit Knoblauch und Ingwer – diese Rezepte gehören inzwischen zu meinem Standardrepertoire. Ich liebe auch Yotam Ottolenghis erstes Kochbuch, das erst vergangenen Jänner auf Deutsch erschienen ist.

David Lebovitz The perfect Scoop
Nachdem ich schon einige Bücher in Sachen Eiscreme angeschafft habe, ist das nun das erste, das mich wirklich überzeugt hat. Tolle Eissorten wie Anis- oder Olivenöleiscreme, Frozen Yogurt, Granitas und Sorbets – hier findet man so gut wie alles zum Thema Eis.

Weitere Kochbücher, die ich ohne Einschränkung empfehlen kann:

Diana Henry Food from Plenty (en)
Ein umfangreiches Kochbuch, das mit Rezepten für Braten beginnt, das ist schon mal gut, zu Gemüse übergeht, was besser ist, und dann noch eigene Kapitel für Hülsenfrüchte, Getreide, Fisch und Suppen anbietet, was ich perfekt nennen würde. Und das ist noch nicht alles. Eigentlich ist Food from Plenty ein Kochbuch, mit dem allein man fast schon auskommen könnte.

Bill Granger Easy Asia
Eine kulinarische Reise quer durch Asien und dabei wirklich easy, ohne in Trash zu kippen. Eine großartige Sache von Bill Granger.

Giorgio Locatelli Made in Italy
Es ist eine Schande, dass ich dieses Opus magnum noch nicht besprochen habe, denn ohne diesen Mann würde ich noch immer nicht wissen, auf was es bei einem Risotto wirklich ankommt. Ich liebe das Buch allein schon aufgrund der detaillierten Warenkunde. Ein Muss für Italien-Fans.

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