Sommer auf dem Balkon II/2012

Hortensie

Letzte Woche konnte man endlich Fiona Swarowskis „Balkon“ in Wien sehen und darüber staunen, dass die bekennende Balkongärtnerin und Sprecherin der Reichen und Schönen kein einziges Gemüse auf ihrer Dachterrasse züchtet, auch wenn ausreichend Platz dafür wäre. Sie bevorzugt offenbar Riesenbonsais. Über ihren erlesenen Geschmack muss man ohnehin nichts sagen, den hat sie schon bei der Einrichtung der Yaretti-Jacht bewiesen, und bei der Wahl ihres Gatten sowieso. Swarowskis Vorschlag für die armen Leute habe ich aber dennoch umgesetzt, und vor drei Jahren begonnen, Gemüse auf dem Balkon zu ziehen. Zumindest habe ich es versucht. Aber ich muss zugeben, dass ich ziemlich gescheitert bin, auch aus Platz- und Klimagründen (mein Balkon hat nicht viel Sonne), und der Eigenanbau ist, wenn man nicht total dahinter ist, teurer, als beim Biobauern aus dem Burgenland einzukaufen, und der hat letztlich immer bessere Tomaten und Gurken, als man sie in einem Topf (mit gekaufter Erde) ziehen kann. Mein Projekt beschränkt sich so auch dieses Jahr auf Kräuter und einige Zierpflanzen – das ist auch mit Beetkisterln vor dem Fenster möglich. Die große Ausnahme mache ich für eine Zucchinipflanze (gelbe Zucchini mit dem fantastischen Namen „Gold Rush“ sollen super funktionieren – Vorraussetzung: riesiger Topf, möglichst viel düngen, viel Sonne und Wasser), weil ich es immer mühsam finde, Zucchiniblüten in meiner Wohnnähe zu bekommen.

Zucchini 'Gold Rush'

Diesmal habe ich endlich auch eine echte Currypflanze und Myoga, den japanischen Ingwer, gefunden, aber auch Samen von Salatchrysanthemen (Chrysanthemum coronarium), die in Japan als Shungiku gegessen werden. Die Blättchen haben ein leichtes Selleriearoma, mehr dazu, wenn sie endlich ausgewachsen sind. Die Salatchrysantheme gedeiht ab März im Freiland, liebt eher kühles Wetter und kann mehrfach geerntet werden. Also schnell noch aussäen!

Currypflanze

Japanischen Mitsuna, quasi japanische Petersilie, kann man ebenso selbst ziehen, meiner treibt schon aus. Dieses Jahr habe ich auch wieder Shiso, aber diesmal das grüne, das rote ist wirklich nur begrenzt verwendbar, es bekommt auch sehr leicht eine papierene Konsistenz, während das grüne einfach fantastisch zu Sashimi oder auch zu gegrilltem Fisch schmeckt.

Shiso

Portulak ist eine ideale Balkonpflanze, weil er, im Freiland gesät, wuchert wie Unkraut, also unbedingt immer in Töpfe füllen! Er ist eine immer beliebtere Salatpflanze und ich gebe ihm eine Chance, auch wenn ich noch nicht ganz überzeugt bin. Ansonsten reichen mir die Klassiker: Rosmarin, Salbei, Majoran, Oregano, Thymian, verschiedene Minzen – der Erdbeerminze bleibe ich treu, auch wenn ich von den ganzen neuen Kräutern teilweise wenig halte, dabei habe ich sogar Duftpelargonien.

Duftpelargonien

Zitronenverbene begeistert mich nach wie vor. Während ich mich letztes Jahr noch gewundert habe, was man mit Estragon so alles macht, bin ich in der Zwischenzeit ein riesiger Fan dieses wunderbaren Krauts mit dem Anisaroma. Er hat das Überwintern tadellos draußen überstanden, auch der französische. In Georgien habe ich sogar giftgrüne Estragonlimonade getrunken. Herrlich! Übrigens: Koriander, Kerbel und Dill kauft man nicht in Töpfen, besser selbst aussähen! Und: Spießerpflanzen wie Begonien, Pelargonien und Hortensien sind wieder erlaubt!  Yeah!

Begonie

Verbenen-Estragon-Thymian-Tee
Man mischt 25 g Zitronenverbene mit 15 g Thymian und 15 g Estragon und übergießt mit einem Liter kochendem Wasser. Etwa 10 Minuten ziehen lassen.

Lavendel und Minze
Außerdem zu empfehlen: Lavendel und Minze zu mischen! Klasse! Während Lavendel beruhigt, sorgt die Minze für einen leichten Kick.

4 Gedanken zu „Sommer auf dem Balkon II/2012

  1. Sigrid

    Ich habe gestern in den Topf mit dem selbstgesäten Schnittlauch (4 dünne Hälmchen) endgültig gekauften drübergepflanzt. Koriander detto. Der Dill ist immerhin mittlerweile immerhin als solcher zu erkennen (würde aber wohl kaum auch nur als Deko für einen Lachshappen reichen), und der Kerbel ist nach drei Wochen (oder gar noch länger) gerade einmal zu erahnen. Das selbstangebaute Basilikum ist seit 1,5 Monaten exakt zwei Zentimeter hoch. Ich glaube, ich geb das mit dem Selberziehen auf und kaufe wieder fertige Pflanzen. Zumindest, bis ich mir mein eigenes Gewächshaus leisten kann.

  2. Helma Artikelautor

    Das kann ich verstehen! Man muss eigentlich auch immer alles selbst versuchen. Anleitungen funktionieren immer nur unter denselben Umständen (Sonne, Erde etc.). Aber der Dill stirbt bei mir prinzipiell immer (den kann man nicht umtopfen, wenn dann im Topf lassen), der Kerbel hat bei mir zwar lange gebraucht, aber ich hatte selbst im Winter durchgehend ein stattliches Pflänzchen, der verträgt es ordentlich kalt. Bei Basilikum betreibe ich beides, ein bisserl warten, dann schießt der, es ist noch nicht warm genug! Koriander: funktioniert bei mir einwandfrei, zur Zeit geht da auch bei mir wenig, da die Temperaturen noch nicht ganz stimmen. Viel Glück!

  3. Pingback: off the record – begegnen wir der zeit wie sie uns sucht | off the record

  4. Heike

    Ich hab großen Respekt vor Kübel-und Topfgärtnern!
    Mal ein heisses Wochenende unterwegs und mir vertrocknet alles. Da ist mir der Kampf gegen die Schnecken fast lieber :/

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