Lieblingskochbücher 2012


Vegetarisch für bodenständige Perfektionisten
Katharina Seiser, Meinrad Neunkirchner: Österreich vegetarisch

Wenn man in österreichischen Restaurants und Gasthäusern etwas Vegetarisches bestellt, landet man oft bei panierten, frittierten Champignons oder süßen Rezepten. Deswegen ist es umso schöner in Österreich vegetarisch (fast) kein einziges Rezept für Paniertes zu finden – auch wenn ich das nicht erwartet hätte – und dass der süße Teil zwar vorhanden ist, aber nicht überhand genommen hat. (Ebenso großartig ist es, endlich ein vegetarisches Kochbuch ohne Fleischersatzrezepte zu besitzen….)

Ich gebe zu, aus dem Kochbuch erst sehr wenig nachgekocht zu haben, was einerseits daran liegt, dass ich das Buch noch nicht so lange besitze und andererseits, dass es für viele der Rezepte unabkömmlich ist, sich an das saisonale Angebot zu halten. Ich bin besonders scharf auf die Rezepte für Frühling und Sommer, seien es die Fruchtkompotte oder die Rezepte mit frischen Karotten und Erbsen. Dennoch bin ich nicht erst nach einem extrem schmackhaftem Apfelkompott und den Erdäpfelknödel auf Spitzkohl überzeugt. Ich vertraue voll und ganz auf die beiden AutorInnen. Meinrad Neunkirchner ist ein überaus kreativer Koch und auf Katharinas Blog esskultur habe ich schon oft verwiesen. Was viele am Anfang für langweilig halten mögen, ist reinste Perfektion und so verhält es sich sicherlich auch mit diesem Buch. Im Frühjahr freue ich mich schon auf ein Gurkengemüse mit gebratenen Schupfnudeln und Polentaknöderl mit Kerbelfülle. Österreich vegetarisch wird mit Sicherheit von vielen auf den ersten Blick unterschätzt. Man muss schon etwas genauer hinsehen, um die Raffinessen zu erkennen. Die Rezepte klingen zwar schlicht, aber in seinen Jamie Oliver- und Donna Hay-Kochbüchern kann man lange stöbern bis man solche Klassiker der österreichischen bzw. böhmischen Küche in moderner und keineswegs überkandidelter Perfektion findet. Butternockerl mit Rahmkarotten und Erbsen, pikante Grießknöderl auf Kochsalat, gefüllte Paprika, Hollerröster mit Rahmdalken…

Auffetten!
Jennifer McLagan: Fett 

Dieses Kochbuch habe ich ja schon des Öfteren propagiert und endlich ist es auf Deutsch erschienen. Auf Englisch lautet der Titel: fat – an Appreciation of a Misunderstood Ingredient. Jennifer McLagan hat in diesem Buch nicht nur allerhand Fakten gesammelt, um den Ruf der verpönten Zutat Fett in allen Formen – von Butter über Schweinefett bis zu Lammfett – aufzumotzen, sondern auch umwerfende Rezepte. Schweinefett etwa nennt sie The King und ich bin die Letzte, die ihr das übel nimmt. Ich bin dafür, sein Leben in jeder Hinsicht aufzufetten. Denkt an die Franzosen und die beste Werbung für Fett ist der neuerdings von mir heiß geliebte Blog Manger. Die umwerfend gut aussehende Mimi Thorisson mit ihrer umwerfend gut aussehenden Familie ist die perfekte Botschafterin von Fett.


Einkochen!
Diana Henry: salt sugar smoke

Was wäre der Herbst und der Winter für mich ohne diesen schönen Band gewesen! Einkochen!  Was für eine wunderbare Tätigkeit! Hier findet man ausgezeichnete Marmeladenkombinationen – etwa Rhabarber-Rosen-Kardamom, Feige-Granatapfel, Melone-Limette-Ingwer – tolle Rezepte für Chutneys, Relishes und Pickels, allerhand scharfe Würzpasten, Fruchtsenf, aromatisierten Essig und darüber hinaus wie man Fisch räuchert und Rezepte für Liköre. Mein bisheriger Favorit ist der simple eingelegte Kürbis.



Aufwärmen!
Yvette van Boven: Home Made Winter

Das Buch Home Made hat mich ja nicht so begeistert. Vieles darin ist einfach nicht so raffiniert. Vielleicht waren es auch die überschwänglichen Kritiken, die ich doch ein wenig übertrieben fand. Der Nachfolger dagegen gefällt mir total gut. Auch ästhetisch finde ich ihn ansprechender als Home Made. Die Pekannuss-Karamel-Tarte und der Plum Pudding haben schon Mal überzeugt. Aber da es ein Weihnachtsgeschenk war, brauche ich noch ein bisschen Zeit, es richtig auszutesten! Heute ist der Fruchtkuchen mit Guiness an der Reihe!

Böhmisch!
Der goldene Plachutta

Plachutta? Den habe ich ja schon! Ja, aber nicht den goldenen! Eigentlich war es eine gute Idee, dieses Kochbuch zu machen. Erst unlängst wollte ein Freundin, einen Tipp für ein gutes österreichsiches Kochbuch zum verschenken. Der Original-Plachutta war dabei sicher immer erste Wahl, aber der goldene ist ein ideales Geschenk für alle Gelegenheiten! Ob Blunzengröstl, Haluska oder auch Grammelrisotto, Vanillekipferl und Buchteln, hier findet man Klassiker und neue Kreationen immer mit einem feinen österreichischen Touch. Ein wirklich schönes Kochbuch. Wer den Original-Plachutta besitzt, weiß auch, dass die Rezepte nicht einfach erfunden sind, sondern ein Gelingen  nahezu garantieren.

3 Gedanken zu „Lieblingskochbücher 2012

  1. Frau Neudecker

    Ich hatte offenbar das „Glück“, beim (alten) Plachutta ausgerechnet die vier Rezepte auszuprobieren, die nicht wirklich so gut funktionieren. Beim Tafelspitz hätte mir die halbe Zeile „oder so lange kochen, bis er weich ist“ drei Fehlversuche erspart. Seine Kardinalschnitte hat nicht nur bei mir nicht funktioniert. Beim Sesamkaramell weiß ich nicht, wie er den flachgerollt bekommt, bevor das Karamell hart wird. Und die Marillenknödel aus Brandteig waren ein einziger Reinfall. Aber vielleicht hab da ja doch ich was falsch gemacht.
    Ich bin mittlerweile jedenfalls Plachutta-Skeptikerin. Eine der sehr wenigen, ich weiß.

  2. helma

    Dann hatte ich Glück: Vanillekipferl super, Buchteln für mein Talent voll OK, Tafelspitz habe ich nach Gefühl gemacht, gebe ich zu…aber ich hatte auch schon ein Unglück: Der Germgugelhupf, auf den schwören meine Freunde, war bei mir steinhart. Aber es ist wie beim Silberlöffel: Umstritten! Aber ich muss noch eins anmerken: flach gerollter Karamell und Brandteigmarillenknödel sind echt was für Profis….Und ich bin übrigens erstaunt über deine Koch-Fortschritte, ich werde mein Leben lang auf Anfängerniveau herumtingeln…da wirst du schon einen Michelin haben……

  3. Ilse

    Böhmische Küche ist ein Traum. Und wo ich gerade den Kommentar zu der Kardinalschnitte lese – das ist wirklich nicht sehr einfach. Aber sehr sehr lecker. Den golden Schinken werde ich mir zu Gemüte führen, die angekündigten Rezepte klingen verlockend. Danke für den Tipp und liebe Grüße

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