Pjöngjang pauschal

Warum fährst du ausgerechnet nach Nordkorea? Na ja, die meisten meiner Freunde fragen mich gar nicht mehr, wenn ich seltsame Länder bereise. Aber einige überraschte Gesichter gab es bei Nordkorea doch. Dabei ist die Antwort naheliegend: Ich möchte ein Land sehen, von dem man sehr wenig weiß und doch im Westen ein ganz klares Bild hat (Atommacht, Schurkenstaat). Ich will selbst sehen, wie es dort ist. Wer weiß, wie lange die letzte kommunistische Diktatur noch besteht. Ob das dekadent ist? Sicher. Aber auch wieder nicht: Wer nach Kuba fährt, muss sich ja auch nicht rechtfertigen, bei Nordkorea aber sucht jeder nach Erklärungen. Neugierde reicht doch. Und im Nachhinein muss ich sagen: Es war eine meiner spannendsten Reisen.

So zynisch es klingt: Für Touristen ist Nordkorea sicherer als die meisten anderen Reiseziele. Der Preis dafür ist totale Kontrolle, auf die man sich einstellen muss. Man wird bis auf die Abendstunden im Hotel immer von Guides „begleitet“, die natürlich darauf achten, dass man brav in der Gruppe bleibt. Viel allein ist man nicht. Und das Programm ist dicht. Die vor der Reise aufgelisteten Programmpunkte werden zwar nie streng eingehalten, aber eigentlich sieht man eher mehr als weniger. Wahrscheinlich auch damit man auf keine blöden, sprich individuellen Gedanken kommt. Angst hatte ich auf jeden Fall keine Sekunde lang. Und es ging auch einiges durch, von dem ich dachte, es sei streng verboten: Kim Il-sung-Statuen von hinten fotografieren, Fotos vom Alltagsleben machen, aus dem Bus fotografieren und sogar kritische Fragen – wenn sie diplomatisch gestellt werden.

Die meisten Reiseberichte aus Nordkorea lesen sich ähnlich. Die Reisen folgen ja auch demselben Ablaufplan: Jeder Ausländer besucht dieselben Orte – und staunt über die absurden Machtinszenierungen. Jeder fotografiert leere Straßen, schicke Polizistinnen und Kim Il-sung, der an allen Ecken in Bronze gegossen steht (oder vielleicht auch nur in Plastik – zuweilen kommt einem Nordkorea nämlich auch wie eine Installation von Jeff Koons vor). Ich habe mich ein bisschen sattgesehen an Fotos von leeren Straßen in Pjöngjang. Für mich ist Nordkorea wie ein Puzzle aus vielen Teilen, die scheinbar nicht zusammenpassen. Ich tue mir schwer, ein kohärentes Bild zu entwerfen. Mich interessieren die Widersprüche, auf die ich gestoßen bin, die irritierenden Brüche und all das, was ich eigentlich nicht erwartet habe. Dies ist also kein klassischer Reisebericht über ein Pflichtprogramm, sondern eine Aufzählung all dessen, was mich überrascht hat und noch immer beschäftigt. Geordnet ist das Ganze nach Stichworten.

6 Gedanken zu „Pjöngjang pauschal

  1. Kat Shoebox

    Nordkorea will ich auch mal unbedingt besuchen. Es reizt aus dem selben Grund! Gut, dass ich meine österreichische Staatsbürgerschaft für die amerikanische nicht ausgetauscht habe. :) Danke für den Artikel!

  2. Karin Artikelautor

    ich kann es dir nur empfehlen, sag mir, wenn du noch tipps brauchst. es waren übrigens auch ziemlich viele us-amerikaner in nordkorea unterwegs…

  3. Peter haupt

    Danke für den Reisebericht ! Er ist nicht so ideologisch wie die meisten !
    Wollen im Oktober auch nach Nord-Korea , auch nur aus Neugierde ! Aber es nervt mich schon jetzt das ich mich bei jeden der es erfährt „erklären“ muß !
    Hätte aber mal eine Frage die mir noch keiner eindeutig beantwortet hat : muß ich wenn ich das Mouseleum oder die Statue besuche einen Anzug tragen,oder reicht auch angemessene Kleidung ? Auch gute Jeenshose mit modernem Hemd ?
    Vielen Dank PETER

  4. Karin Artikelautor

    Das ist nicht mehr ganz so streng. Jeans und Hemd sind okay, man muss auch nicht mehr Blumen niederlegen und das Verbeugen ist ebenso freiwillig. Ich hoffe der Aufenthalt beeindruckt dich ebenso sehr wie mich. Ich würde diese Reise jederzeit wiederholen!

  5. Paul-Hinrich Kroll

    Wer nach Nordkorea reist, unterstuetzt ein kriminelles Regime mit seinen Devisen. Dasselbe gilt fuer andere sozialistische Laender wie z. B. Kuba. Darueber muss man sich bei der Planung im klaren sein.

  6. Helma

    Natürlich ist das eine heikle Sache. Keine Frage. Ich denke aber schon, dass der Artikel das auch thematisiert. Die Auseinandersetzung mit diesen Ländern ist doch auch sehr wichtig und ich denke Karin hat auch sehr genau geschildert, um was es ihr dabei ging. Ob der Tourismus das kriminelle Regime aufrecht erhält, wage ich zu bezweifeln, dafür ist er doch zu elitär gestaltet, davon profitieren einige Wenige.
    Der Kuba-Tourismus ärgert mich da schon mehr. Das lässt sich leicht verklären. Ich fand es beengend und erdrückend, während um mich herum einige mit ihren Che Guevara Tatoos gemütlich Cocktails geschlürft haben und nicht Mal bemerkt haben, dass sie hier ein krankes, ausbeuterisches System verehren und sich mir ihren Dollars über die Einheimischen erheben. Und wieviele Leute sind übrigens die letzten Jahrzehnte nach Ägypten und Tunesien gefahren ohne überhaupt zu reflektieren, was das bedeutet?!

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