Pjöngjang pauschal

Ankunft
5. Oktober 2010, Ankunft in Pjöngjang. Der Flughafen ist klein, aber geschäftig. Die Passkontrolle geht erstaunlich schnell, Toiletten gibt es allerdings nur vor der Passkontrolle. Aber kein Problem, man kann wieder hinter die Passkontrolle gehen und unbehelligt wieder zurück. Das kenne ich von anderswo bürokratischer. Nur: Natürlich kann man die Toiletten nicht absperren, das wird mich die ganze Reise über begleiten. Problem ist das für mich keines: Ich habe meine Reise über das Internet gebucht. Wir sind 12 insgesamt, 11 Männer und ich. Ich bin also ohnehin immer allein im Damenbereich. Ich bin mit meiner Gruppe sehr zufrieden: Mein Horror wären Pensionisten-Ehepaare gewesen. Die meisten meiner Begleiter reisen alleine, sie sind neugierig und gut informiert über das Land. Wir sind zudem eine ziemlich unkonventionelle Gruppe: Einer von uns wollte Bibeln schmuggeln, um Nordkorea das Christentum zu bringen.

Verkehrsstau und Medien
Die Fahrt mit dem Bus in die Stadt ist die erste Annäherung. Pjöngjang, das sieht man gleich, ist sehr grün, es gibt den Fluss Taedong, viele Parks, die das Stadtbild prägen. Es ist viel los auf den Gehsteigen und Straßen, Fahrräder fahren (sowohl Männer als auch Frauen) und gar nicht so wenige Autos. Wir werden in den kommenden 10 Tagen sogar in zwei kurze Verkehrsstaus geraten. Vergleicht man, was man sieht, mit dem, was in den wenigen Reiseführern steht, dann hat man schon das Gefühl, das Land befindet sich zumindest in Ansätzen in Aufbruchsstimmung. Obwohl alles sicher sehr, sehr langsam geht. Die Zahl der Restaurants scheint zugenommen zu haben, vergleicht man die spärlichen Angaben im Nordkorea-Handbuch (2007) dazu. Die Hallen der ersten privaten Märkte haben wir leider nicht gesehen, aber es gibt auf YouTube Aufnahmen davon. Handys sind vor rund zwei Jahren aufgetaucht, sie sind teuer, aber unsere Guides besitzen welche und werden nicht müde, sie stolz zu verwenden, oft einfach nur um Musik abzuspielen. Wir müssen unsere Handys am Flughafen abgeben – Empfang hätten wir ohnehin keinen,  da aber der illegale Schmuggel von SIM-Karten aus China boomt, scheint unsere Hardware doch gefährlich für das abgeschottete Land. Erst kürzlich wurden in Nordkorea mehr als tausend Menschen verhaftet, weil sie südkoreanisches Fernsehen geschaut hatten. Ich frage mich, wie lange es noch dauern kann, bis die totale Abschirmung nicht mehr funktioniert. Man staunt aber doch, wie gut sie bisher funktioniert hat: Unsere Guides sprechen perfekt Deutsch oder Englisch. Von Google haben sie nichts gehört, die Beatles kennen sie nicht. Kein Wunder, dass jedes Telefon auf einem Häkeldeckchen steht. Kommunikation ist elitär und etwas Besonderes. Wie schwierig es ist, als Ausländer mit Einheimischen überhaupt ins Gespräch zu kommen, ist offensichtlich: Ständig ist man in der Gruppe. Gelingt einem doch in dem einen oder anderen Geschäft ein kurzes Entkommen, dann staunt man: Man weiß hier nicht, das Kim Jong-un, der geplante Nachfolger des angeschlagenen Kim Jong-il, in der Schweiz auf der Schule war. Auch nicht dass er Brüder hat.

6 Gedanken zu „Pjöngjang pauschal

  1. Kat Shoebox

    Nordkorea will ich auch mal unbedingt besuchen. Es reizt aus dem selben Grund! Gut, dass ich meine österreichische Staatsbürgerschaft für die amerikanische nicht ausgetauscht habe. :) Danke für den Artikel!

  2. Karin Artikelautor

    ich kann es dir nur empfehlen, sag mir, wenn du noch tipps brauchst. es waren übrigens auch ziemlich viele us-amerikaner in nordkorea unterwegs…

  3. Peter haupt

    Danke für den Reisebericht ! Er ist nicht so ideologisch wie die meisten !
    Wollen im Oktober auch nach Nord-Korea , auch nur aus Neugierde ! Aber es nervt mich schon jetzt das ich mich bei jeden der es erfährt „erklären“ muß !
    Hätte aber mal eine Frage die mir noch keiner eindeutig beantwortet hat : muß ich wenn ich das Mouseleum oder die Statue besuche einen Anzug tragen,oder reicht auch angemessene Kleidung ? Auch gute Jeenshose mit modernem Hemd ?
    Vielen Dank PETER

  4. Karin Artikelautor

    Das ist nicht mehr ganz so streng. Jeans und Hemd sind okay, man muss auch nicht mehr Blumen niederlegen und das Verbeugen ist ebenso freiwillig. Ich hoffe der Aufenthalt beeindruckt dich ebenso sehr wie mich. Ich würde diese Reise jederzeit wiederholen!

  5. Paul-Hinrich Kroll

    Wer nach Nordkorea reist, unterstuetzt ein kriminelles Regime mit seinen Devisen. Dasselbe gilt fuer andere sozialistische Laender wie z. B. Kuba. Darueber muss man sich bei der Planung im klaren sein.

  6. Helma

    Natürlich ist das eine heikle Sache. Keine Frage. Ich denke aber schon, dass der Artikel das auch thematisiert. Die Auseinandersetzung mit diesen Ländern ist doch auch sehr wichtig und ich denke Karin hat auch sehr genau geschildert, um was es ihr dabei ging. Ob der Tourismus das kriminelle Regime aufrecht erhält, wage ich zu bezweifeln, dafür ist er doch zu elitär gestaltet, davon profitieren einige Wenige.
    Der Kuba-Tourismus ärgert mich da schon mehr. Das lässt sich leicht verklären. Ich fand es beengend und erdrückend, während um mich herum einige mit ihren Che Guevara Tatoos gemütlich Cocktails geschlürft haben und nicht Mal bemerkt haben, dass sie hier ein krankes, ausbeuterisches System verehren und sich mir ihren Dollars über die Einheimischen erheben. Und wieviele Leute sind übrigens die letzten Jahrzehnte nach Ägypten und Tunesien gefahren ohne überhaupt zu reflektieren, was das bedeutet?!

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