Pjöngjang pauschal




Simulation
Wir sind in einer politisch brisanten Zeit in Pjöngjang: Kim Jong-un wird erstmals der Öffentlichkeit in einer Live-TV-Einschaltung präsentiert. Es ist für unsere Guides eine logistische Höchstleistung, uns von staatstragenden Ereignissen fernzuhalten. Der Besuch des Arirang-Massenbewegungsfestivals wird auf einen anderen Tag verschoben. An dem geplanten Tag gebe es keine Veranstaltung, heißt es. Am Abend vor dem Fernseher werde ich eines Besseren belehrt: Zu unserem Termin ist die Führungsriege des Landes im Stadion. Da will man keine Touristen dabei haben. Das meine ich mit Puzzle: Man muss seine Informationen also immer neu zusammensetzen, und das abendliche Fernsehen ist dabei eine gute Hilfe. Wir durften natürlich an den nächsten Tagen auch nur die harmlosen Seiten der Militärparade zur Feier des 65-jährigen Bestehens der Partei erleben, keine schweren Waffen, nur lächelnde Soldatinnen, die im Wagen vorbeizogen. Das gesamte Programm war am Abend aber live in voller Länge im Fernsehen zu sehen. Ein irres Bild: Vom Hotelfenster sieht man das Feuerwerk aus der Entfernung und im Fernsehen wird es gerade aus der Nähe gezeigt. Am nächsten Tag bei der U-Bahn-Fahrt, die auch länger dauert, als in den Reiseführern angekündigt, und durchaus mit vollem Wagen, sieht man das Feuerwerk noch einmal in den Zeitungen. An Reizüberflutung leidet Nordkorea also wahrlich nicht. Dieselben Propagandabilder werden rauf und runter gespielt. Kim Jong-il ist im TV zwar omnipräsent, aber kaum live zu sehen. Stattdessen werden absurde Fotos eingeblendet, auf denen er etwa in einem Hotel in einen Kasten blickt. Mein Lieblingsblog dazu: Kim Jong-Il looking at things. Nach der Militärparade zur Feier des 65-jährigen Bestehens der Partei herrscht in der Stadt eine ausgelassene Stimmung. Man sieht, was man nicht sehen soll: betrunkene Menschen, aber auch Familien, die im Park grillen. Alltag eben. Dann kommt einem Nordkorea auch nicht viel anders als andere Orte auf dieser Welt vor.

6 Gedanken zu „Pjöngjang pauschal

  1. Kat Shoebox

    Nordkorea will ich auch mal unbedingt besuchen. Es reizt aus dem selben Grund! Gut, dass ich meine österreichische Staatsbürgerschaft für die amerikanische nicht ausgetauscht habe. :) Danke für den Artikel!

  2. Karin Artikelautor

    ich kann es dir nur empfehlen, sag mir, wenn du noch tipps brauchst. es waren übrigens auch ziemlich viele us-amerikaner in nordkorea unterwegs…

  3. Peter haupt

    Danke für den Reisebericht ! Er ist nicht so ideologisch wie die meisten !
    Wollen im Oktober auch nach Nord-Korea , auch nur aus Neugierde ! Aber es nervt mich schon jetzt das ich mich bei jeden der es erfährt „erklären“ muß !
    Hätte aber mal eine Frage die mir noch keiner eindeutig beantwortet hat : muß ich wenn ich das Mouseleum oder die Statue besuche einen Anzug tragen,oder reicht auch angemessene Kleidung ? Auch gute Jeenshose mit modernem Hemd ?
    Vielen Dank PETER

  4. Karin Artikelautor

    Das ist nicht mehr ganz so streng. Jeans und Hemd sind okay, man muss auch nicht mehr Blumen niederlegen und das Verbeugen ist ebenso freiwillig. Ich hoffe der Aufenthalt beeindruckt dich ebenso sehr wie mich. Ich würde diese Reise jederzeit wiederholen!

  5. Paul-Hinrich Kroll

    Wer nach Nordkorea reist, unterstuetzt ein kriminelles Regime mit seinen Devisen. Dasselbe gilt fuer andere sozialistische Laender wie z. B. Kuba. Darueber muss man sich bei der Planung im klaren sein.

  6. Helma

    Natürlich ist das eine heikle Sache. Keine Frage. Ich denke aber schon, dass der Artikel das auch thematisiert. Die Auseinandersetzung mit diesen Ländern ist doch auch sehr wichtig und ich denke Karin hat auch sehr genau geschildert, um was es ihr dabei ging. Ob der Tourismus das kriminelle Regime aufrecht erhält, wage ich zu bezweifeln, dafür ist er doch zu elitär gestaltet, davon profitieren einige Wenige.
    Der Kuba-Tourismus ärgert mich da schon mehr. Das lässt sich leicht verklären. Ich fand es beengend und erdrückend, während um mich herum einige mit ihren Che Guevara Tatoos gemütlich Cocktails geschlürft haben und nicht Mal bemerkt haben, dass sie hier ein krankes, ausbeuterisches System verehren und sich mir ihren Dollars über die Einheimischen erheben. Und wieviele Leute sind übrigens die letzten Jahrzehnte nach Ägypten und Tunesien gefahren ohne überhaupt zu reflektieren, was das bedeutet?!

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