Pjöngjang pauschal

Saal der Tränen
Das Kim Il-sung-Mausoleum ist eine perfekte Machtinszenierung. Eine halbe Stunde lang fährt man auf Rolltreppen durch Marmorhallen, um dann endlich den toten Kim Il-sung zu sehen, vor dem sich jeder von allen Seiten verneigen sollte (wenn man es nicht macht: auch kein Problem). Die größte Überraschung ist für mich der „Saal der Tränen“: Über Tonbandgeräte, die jeder bekommt (sogar auf Deutsch), wird vom Tod Kim Il-sungs erzählt. Als er 1994 starb, habe die ganze Welt getrauert, schließlich „sei die Sonne vom Himmel gefallen“. Als Österreicherin kommt einem da natürlich die pathetische Wortwahl anlässlich des Todes von Jörg Haider in den Sinn. Ich musste mich sehr beherrschen, nicht laut zu lachen.

Vorindustriell
Man traut es sich kaum zu sagen, aber Pjöngjang ist eine coole Stadt, die architektonisch einiges zu bieten hat und wie jede westliche Großstadt durchaus Urbanität ausstrahlt. Ein ganz anderes Nordkorea lernt man bei Ausflügen aufs Land kennen. Leere Autobahnen, Kontrollposten, die zeigen, dass sich auch Nordkoreaner nicht frei in ihrem Land bewegen dürfen, überwachte Felder, auf denen mit der Sichel das Getreide geerntet wird. Also vorindustrielle Arbeitsbedingungen.

Abschied
Ob ich Nordkorea jetzt besser verstehe? Das Gefühl, hinter die Kulissen geschaut zu haben, wird wohl keiner mit nach Hause nehmen, zu unfrei ist man im Land, zu sehr gelenkt wird der Blick von der Staatspropaganda. Aber was kann man Besseres über eine Reise sagen als: Ich möchte unbedingt wieder nach Pjöngjang, um zu sehen, wie sich das Land verändert. Dass es sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sehr verändern wird, ist nicht nur für mich nach dieser Reise ganz klar.

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6 Gedanken zu „Pjöngjang pauschal

  1. Kat Shoebox

    Nordkorea will ich auch mal unbedingt besuchen. Es reizt aus dem selben Grund! Gut, dass ich meine österreichische Staatsbürgerschaft für die amerikanische nicht ausgetauscht habe. :) Danke für den Artikel!

  2. Karin Artikelautor

    ich kann es dir nur empfehlen, sag mir, wenn du noch tipps brauchst. es waren übrigens auch ziemlich viele us-amerikaner in nordkorea unterwegs…

  3. Peter haupt

    Danke für den Reisebericht ! Er ist nicht so ideologisch wie die meisten !
    Wollen im Oktober auch nach Nord-Korea , auch nur aus Neugierde ! Aber es nervt mich schon jetzt das ich mich bei jeden der es erfährt „erklären“ muß !
    Hätte aber mal eine Frage die mir noch keiner eindeutig beantwortet hat : muß ich wenn ich das Mouseleum oder die Statue besuche einen Anzug tragen,oder reicht auch angemessene Kleidung ? Auch gute Jeenshose mit modernem Hemd ?
    Vielen Dank PETER

  4. Karin Artikelautor

    Das ist nicht mehr ganz so streng. Jeans und Hemd sind okay, man muss auch nicht mehr Blumen niederlegen und das Verbeugen ist ebenso freiwillig. Ich hoffe der Aufenthalt beeindruckt dich ebenso sehr wie mich. Ich würde diese Reise jederzeit wiederholen!

  5. Paul-Hinrich Kroll

    Wer nach Nordkorea reist, unterstuetzt ein kriminelles Regime mit seinen Devisen. Dasselbe gilt fuer andere sozialistische Laender wie z. B. Kuba. Darueber muss man sich bei der Planung im klaren sein.

  6. Helma

    Natürlich ist das eine heikle Sache. Keine Frage. Ich denke aber schon, dass der Artikel das auch thematisiert. Die Auseinandersetzung mit diesen Ländern ist doch auch sehr wichtig und ich denke Karin hat auch sehr genau geschildert, um was es ihr dabei ging. Ob der Tourismus das kriminelle Regime aufrecht erhält, wage ich zu bezweifeln, dafür ist er doch zu elitär gestaltet, davon profitieren einige Wenige.
    Der Kuba-Tourismus ärgert mich da schon mehr. Das lässt sich leicht verklären. Ich fand es beengend und erdrückend, während um mich herum einige mit ihren Che Guevara Tatoos gemütlich Cocktails geschlürft haben und nicht Mal bemerkt haben, dass sie hier ein krankes, ausbeuterisches System verehren und sich mir ihren Dollars über die Einheimischen erheben. Und wieviele Leute sind übrigens die letzten Jahrzehnte nach Ägypten und Tunesien gefahren ohne überhaupt zu reflektieren, was das bedeutet?!

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