To save you from tears – Kochbücher schenken

Früher war das Verschenken von Kochbüchern eine heikle Angelegenheit. Frauen fühlten sich zurück an den Herd verwiesen und so mancher Mann in seiner Männlichkeit gekränkt. Heute ist das anders. Kochen ist für Frauen zwar noch mit einem komischen Beigeschmack behaftet, aber salonfähig. Ich finde, man sollte sich das Kochen nicht auch noch von den Männern nehmen lassen. Seitdem Küchen mehr und mehr aussehen wie Werkzeuglager, und die Molekularküche einem Chemielabor gleicht, fühlen sich Männer nämlich immer wohler am Herd.

Ich habe hier 10 Favoriten gelistet. Es sind nicht meine Lieblingskochbücher, sondern die, die ich am liebsten verschenke. Die meisten sind nicht kompliziert, auf Deutsch verfasst und schön gemacht.

1. Besser kochen mit Jamie Oliver

Okay, es ist nicht gerade originell mit Jamie Oliver zu beginnen. Aber wenn mich ein Kochbuch im Laufe der Zeit entgegen all meiner Vorurteile gegen den hektischen „Naked Chef“ immer mehr überzeugt hat dann dieses. Jamie Oliver nennt sein siebtes Buch selbst „einen Grundkurs in modernem Kochen“. Er meint, es hätte sein erstes sein sollen. Für mich ist es auf jeden Fall sein Bestes. Vom perfekten Dressing – ob japanisch oder sizilianisch (Orange, Zitrone, Oregano) – und umwerfenden Salatkompositionen über selbstgemachte Pasta, Risotti, Fleischgerichte bis zu Desserts werden hier Rezepte geboten, die das Potential zum Klassiker haben. Außerdem werden in Besser Kochen von der Küchenausstattung bis zu Fleischschnitten bei Rind, Schwein, Lamm und Geflügel Grundlagen kompakt vermittelt. Die Hauptspeisen sind darüber hinaus mit Weinempfehlung versehen. Der warme Salat mit knusprigem Speck und Topinambur, das Kürbisrisotto mit Salbei und Amaretti oder auch das mit Rosmarin und Zimt gewürzte Rindsragout passen perfekt in die Winterzeit. Der knackige Salat von roher Rote Beete mit Feta und Birne, der mit Minze verfeinert ist, ist sensationell. Obwohl das Kochbuch massig daherkommt, enthält es nicht viele Rezepte. Diese sind dafür Volltreffer. Und wenn ich mich für ein Jamie Oliver Kochbuch entscheiden müsste, würde mir die Wahl nicht schwer fallen. Wahrscheinlich gefällt mir auch, dass darin keine Fotos von Jamie Oliver in pseudo-authentischen Inszenierungen von der Gartenarbeit bis zum Jagen vorhanden sind. Besser Kochen ist nicht nur ein wunderbares Geschenk, sondern eine tolle Hilfe bei der Suche nach dem perfekten Weihnachtsmenü. Beim Titel sollte man jedoch auch vorsichtig sein, das Geschenk könnte allzu leicht als Vorwurf aufgefasst werden!

2. Tessa Kiros Venedig

Ich liebe die Kochbücher von Tessa Kiros. Schon Die Welt in meiner Küche hat meine Kochgewohnheiten völlig auf den Kopf gestellt. Köttbullar – IKEA Fleischbällchen – oder Eis mit dem Geschmack von Mastix, einem Baumharz, aber auch die griechischen Klassiker darin, gehören seitdem zu meinen Lieblingsgerichten. Venedig ist ein würdiger Nachfolger und ist im Gegensatz zu den meisten Kochbüchern, die sich als italienisch verkaufen, wirklich authentisch – es hat weder Basilikumbüschel noch Aceto Balsamico nötig, um den Beweis anzutreten. Schon Kiros’ erstes Kochbuch war der Küche Italiens – jenes Land, in dem sie nach einem kosmopolitischen Leben sesshaft geworden ist – gewidmet. Venedig verfolgt eine etwas eigenwillige Ästhetik. Auf den ersten Blick – Weichzeichner und pompöser Kitsch – sieht es aus wie aus den 1990ern. Ganz wie der Untertitel: Kochen für alle Sinne (engl. Food and Dreams). Wenn man aber genauer hinsieht, erkennt man, dass es doch erstaunlich gut gelingt, das eigenwillig düstere Flair der Stadt Venedig einzufangen. Aufgebaut ist das Buch nach der italienischen Speisenfolge. Angefangen wird mit Bellini & Co, dann folgen die Cicchetti (amuse gueules) und Antipasti, beides meist basierend auf Meerestieren. Dem Kapitel Suppen, Pasta, Gnocchi folgen traumhafte Risotti mit Varianten von Wirsing über Rindfleisch bis zu Venusmuscheln. Die Secondi überzeugen neben reichlichen Fischrezepten mit einem Rinderschmorbraten oder etwa Schweinswürsten – Polenta darf hier als venezianische Beilage schlechthin nicht fehlen. Das Kapitel Contorni ist zwar nur kurz, besticht aber mit zwei Radicchio-Abwandlungen und Kürbis und Steinpilzen aus dem Ofen. Die Dolci sind sehr klassisch angelegt: etwa Tiramisu, Zabaione, Bratäpfel mit Amaretti oder auch venezianischer Hefekuchen. Typisch italienisch werden hier aus einfachen Zutaten spektakuläre Ergebnisse gezaubert. Mit Goldschnitt und Samtbändchen und den goldenen, verschnörkelten Überschriften passt das Buch einfach perfekt unter den Christbaum.

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