Karjalanpaisti – ein karelischer Eintopf und finnisches Nationalgericht


Jacques Chirac behauptete mal, Finnland hätte die schlechteste Küche Europas, dicht gefolgt von Großbritannien. Diese Aussage machte er 2005 und der ehemalige französische Präsident ist zum Glück längst in Pension. Inzwischen hat sich auch die Sichtweise auf Großbritanniens und Finnlands Esskultur drastisch geändert. Es dominieren nicht nur die englischen KochbuchautorInnen in eben diesem Geschäft, auch die finnische Küche hat gehörig an Sexappeal gewonnen. So teilt Tessa Kiros in ihrem Kochbuch Die Welt in meiner Küche unter anderem die fantastischen, kulinarischen Geheimnisse ihrer finnischen Familie mit den LeserInnen, während 2010 ein finnisches Pop-Up-Restaurant im Rahmen der Londoner Design-Wochen für Furore sorgte. Fünf DesignerInnen, namhafte finnische Designfirmen und ein finnischer Koch präsentierten zwei Wochen lang in einem eigens dafür projektierten Restaurant finnisches Design und Kochkunst. Das Projekt zieht weiter nach Helsinki, wo es Ende Januar für zwei Wochen seine Zelte aufschlagen wird. (www.helyes.fi) Grund genug hier eines der bekanntesten finnischen Gerichte zu kochen.

Das Rezept habe ich von einem finnischen Studienkollegen bekommen. Ich absolvierte im Rahmen meines Studiums ein Auslandssemester in Frankreich. Leider half mir mein Schulfranzösisch beim Studium wenig weiter. Vor allem die Prüfung zum Konstruktivismus und zur Systemtheorie erschien, ob meiner Sprachunkenntnisse, nicht schaffbar. Mit seiner Coolness und Geduld hat es Mikko geschafft, mir diese sozialwissenschaftlichen Theoriebrocken auf Französisch zu vermitteln.

Als Bonus für die bestandene Prüfung bekam ich auch noch sein finnisches Lieblingsrezept: Karelischen Eintopf. Karelien ist eine Region, die zwischen Finnland und Russland aufgeteilt ist. Dieser Fleischeintopf ist ein finnisches Nationalgericht, das durch die Kombination unterschiedlicher Fleischsorten und wegen der langsamen Garzubereitung ein ungeahnt aromatisches Geschmackserlebnis ist. Es ist ein sehr simples, aber fantastisches Gulasch, genau das Richtige für kälteste Wintertage. Das Geheimnis liegt in der Qualität des Fleisches, unbedingt beim Kauf der Zutaten darauf achten. Alternativ kann das Gulasch auch mit Lammfleisch oder Innereien zubereitet werden.

Zutaten
450 g Rindfleisch, gewürfelt
450 g Schweinefleisch, gewürfelt
2-3 Karotten, gewürfelt
2-3 weiße Rüben, gewürfelt
2-3 Zwiebeln
15 Pfefferkörner
1-2 Lorbeerblätter
ca. 8 Körner Piment
Salz
etwas Butter

Das Fleisch wird in einer Pfanne mit Butter leicht angebraten. Eventuell muss man das in mehreren Etappen machen, wenn die Pfanne nicht groß genug ist. Das Fleisch mit allen anderen Zutaten in eine Auflaufform geben und soviel Brühe oder Wasser dazugießen, dass alles bedeckt ist. Bei 170 Grad zugedeckt eine Stunde in den Ofen damit. Danach ohne den Deckel  für mindestens zwei weitere Stunden fertiggaren und ab und zu etwas umrühren. Das Gulasch kann auch länger im Ofen bleiben, man sollte nur darauf achten, dass es nicht austrocknet. Manche begießen den Eintopf zwischendurch auch mit Bier oder binden am Ende die Sauce mit etwas Speisestärke. Abschließend mit Salzkartoffeln oder Kartoffelpürree servieren.

6 Gedanken zu „Karjalanpaisti – ein karelischer Eintopf und finnisches Nationalgericht

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  2. Karo Artikelautor

    Ja, vier Personen werden echt satt damit. Bzw. wenns noch Beilagen (wie z.b. Kartoffeln) dazu gibt, reicht es locker auch für 6.

  3. Thia

    Hey – sehr leiwand, klingt aufregend und ich werds nachkochen. Just one question: Ihr schreibts da zuerst im Ofen garen, bei 170 Grad. Und dann steht was von “ohne Deckel”… heißt die erste Stunde muss ich einen Deckel auf die Auflaufform putten? (hab keinen!) und dann weitergaren bei wieviel Grad??? Ich bin ein Koch-Ei. Erst seit ich Eure HP entdeckt hab, kann ichs nicht lassen mich in der Küch zu tryen, nur bitte um den kleinen Support ;) Cheerio

  4. Uli

    Euer Rezept scheint sehr gut zu sein; in der Ausg. 02/2012 des “Red Bulletin” ists fast genauso beschrieben…
    Ich wills mal probieren – ohne Nieren etc.
    Uli

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