Beirut – Einschusslöcher und Bauboom

Beirut, Hamra

Beirut wollte ich schon lange einmal besuchen. Ich mag Länder, in denen völlig verschiedene Welten aufeinandertreffen, deshalb finde ich Zentralasien so interessant, aber eben auch den Nahen Osten. Ich kannte Fernsehdokumentationen, in denen gern vom „Tanz auf dem Vulkan“ berichtet wurde, davon, dass trotz libanesischem Bürgerkrieg (1975–1991) Beirut wieder als Partystadt gefragt ist. Ich wollte wissen, ob das einstige „Paris des Nahen Ostens“ wirklich wieder boomt, ob der Bürgerkrieg Spuren hinterlassen hat, die man noch immer sieht und wie das Leben dort ist. Und ich wollte den Theatermacher Rabih Mroué treffen.

Im Frühling 2008 brach ich also nach Beirut auf, die politische Lage war gerade wieder einmal reichlich angespannt. Kurz nach meiner Rückkehr lieferten sich Anhänger der Hisbollah heftige Kämpfe mit den Kräften der prowestlichen Regierung, es sah kurzfristig sogar aus, als ob das Land in einen neuerlichen Bürgerkrieg schlittern könnte.

Beirut, Baustelle Corniche

Der Air-France-Flug von Paris nach Beirut ist voll besetzt, das Unterhaltungsprogramm gewöhnungsbedürftig. Auf den Monitoren laufen Videos, die neue Luxusapartments in Beirut anpreisen oder von den Vorzügen einer Schönheits-OP überzeugen wollen. Zumindest die Zielrichtung ist klar vorgegeben.

Beirut, Blick auf Hamra

Beirut, Hamra

Ich wohne in Hamra, einem Geschäftsviertel mit engen Gässchen und kleinen Shops. Sucht man eine spannende Mischung aus arabischem und internationalem Flair, wird man sie am ehesten hier finden. Menschen aus allen Bevölkerungsschichten leben im quirligen Hamra. Klassische Souks gibt es in Beirut ohnehin nicht – abstruserweise nennen sich die großen, westlich orientierten Einkaufstempel in Downtown aber neuerdings „Souks“. Meine Lieblingsecke in Hamra liegt rund um die Libanesische Universität, dort reihen sich nette Internet-Cafés und Imbisse aneinander und es ist immer was los. Auch mein Lieblingsrestaurant liegt in Hamra: das Istambouli, ein unauffälliges, unprätentiöses Gasthaus, das sich auf libanesische Küche spezialisiert hat. Die freundlichen Kellner beraten gerne, bis sich die Vorspeisen auf dem Tisch türmen, und zum Abschluss muss man natürlich den landestypischen „weißen Kaffee“ trinken, der mit Kaffee rein gar nichts zu tun hat, außer dass er verdauungsfördernd wirken soll: Er besteht aus heißem Wasser mit Orangenblütenwasser, Zitrone und viel Zucker. Im Istambouli war ich so oft, dass der Kellner am Schluss schon gar nicht mehr gefragt hat, ob ich einen Kaffee will, sondern ihn einfach gebracht hat. Aber ich kam mir auch wie die einzige Touristin vor – nicht nur in diesem Restaurant. Ein anderes Lokal liegt auch nicht weit entfernt: das schlichte, aber fantastische Al Karam. Theatermacher Rabih Mroué nimmt mich am ersten Abend mit – er trifft dort gern seine Freunde. Der Tisch biegt sich vor libanesischen Vorspeisen, alles ist herrlich frisch. Natürlich muss ich eine Spezialität probieren, die rohe Leber – eigentlich mag ich Leber gar nicht, aber diese hier, mit den vielen Gewürzen, schmeckt köstlich.

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