Beirut – Einschusslöcher und Bauboom

Beirut

Beirut, Vermisstenfotos

Am nächsten Morgen spaziere ich also durch Beirut und mache mich auf die Suche nach den Spuren des Kriegs. Ich sehe die Plakate mit den Vermissten, aber auch andere Poster: jene der  Plattform „Memory at Work“ etwa, die Fotos von verschwundenen Menschen sammelt und dadurch eine Diskussion anstoßen möchte. Ein Spaziergang durch das hügelige Beirut geht in die Beine, ist aber großartig. Ich bin begeistert von den vielen alten Häusern, den architektonischen Schätzen. Die Kriegsvergangenheit ist gerade hier noch allgegenwärtig: An vielen Häuserwänden sieht man Einschusslöcher. Viel von der alten, prächtigen Bausubstanz verfällt, die Stadt investiert sichtlich lieber in neue, gigantische Vorzeigebauten als in alte ottomanische Häuser, die eigentlich unter Denkmalschutz stehen sollten. Am besten, man lässt sich in diesen Straßen treiben, erforscht ausgiebig das alte Beirut, bevor man sich nach Downtown begibt, in den seltsamsten Teil der Stadt.

Beirut Downtown

Beirut, Hariri-Gedenkstätte

Bereits am Flughafen liegt ein Prachtfotoband auf, der auf einem 3-D-Kippbild zwei Ansichten von Downtown zeigt: die im Bürgerkrieg zerbombte Innenstadt und die aufwändige Rekonstruktion. Was der Bildband unterschlägt: Die sterile, disneyworldkitschige Innenstadt ist, zumindest als ich dort war, ein surrealer Hochsicherheitstrakt – gespenstisch und weitgehend menschenleer, abgesichert mit Stacheldrähten und rund um die Uhr von Soldaten bewacht. Sie wirkt wie eine Filmkulisse für einen französischen Filmdreh. Ringsum werden gerade eilig zahlreiche Nobelboutiquen gebaut. Traut man aktuellen Reiseberichten, dann ist das neue Zentrum inzwischen belebter, nicht mehr ganz so unheimlich und steril.
Im Hintergrund thront die beeindruckende Al-Omari-Moschee. Direkt dort liegt auch die Gedenkstätte für den 2005 ermordeten Staatschef Rafiq al-Hariri. Sie besteht eigentlich nur aus einem großen Zelt voll mit Blumen und einer Leuchtschrift, die anzeigt, wie lange er nun schon tot ist. Ein beeindruckender Ort, finde ich zumindest.

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